Der Afrika-Beauftragte Walter Lindner ist bei seinem zweiten und in seiner derzeitigen Eigenschaft auch letzten Namibia-Besuch erneut für die Normalisierung und Wiederbelebung der Beziehungen zwischen Deutschland und den Nachfahren aus dem Kolonialkrieg von 1904-1908 eingetreten. Es ist bezeichnend, dass er sich dabei diesmal deutlicher über die Grenzen zwischen dem Machbaren und dem Illusionären ausgesprochen hat. Die Bitte um Vergebung für Gräueltaten und den Ausspruch des Bedauerns, wie es die Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul im Jahr 2004 und wie er es im Februar sowie jetzt wieder getan habe, könne man stets wiederholen, aber jetzt sei es an der Zeit, über die Terminologie (Genozid, Entschuldigung und Reparation) hinauszukommen, um Zukunft zu gestalten. Lindner ist überzeugt, dass die Mehrheit der Herero- und Nama-Vertreter, mit denen er sich am Montag zweieinhalb Stunden ausgetauscht hat, die deutsche Sonderinitiative für betroffene Gemeinschaften unterstützt und imstande ist, historischen Ballast abzustreifen.
Austausch und Gespräche können und müssen auf der parlamentarischen, der kirchlichen, der privaten und anderen institutionellen Ebenen fortgesetzt werden - und zwar auf informierter Grundlage. Dabei müssen alle Seiten die Spannung aushalten, dass das dem Einen zu wenig und dem Anderen zu viel ist.











