Die Regierung hat die Proteste von Altkämpfern vor zehn Jahren genauso wie jetzt die Forderungen der so genannten Veteranenkinder ernst genommen. Um des lieben Friedens willen, aber auch zum Erhalt des Wähler- und Fußvolks der regierenden Partei hat der Staat zunächst etliche tausend Altkämpfer in Sondereinheiten der Polizei (die camouflierte Feldpolizei) und in die Armee aufgenommen. Der Präsident hat eigens das Veteranenministerium geschaffen.
Dass die zum Teil bereits geleistete Veteranenhilfe – per Definition nur für Altkämpfer der SWAPO - einseitig und nicht im Sinne der Aussöhnung ist, will die regierende Partei nicht wahrhaben. Namibische Ex-Soldaten, die bis 1989 unter südafrikanischem Befehl standen, haben ihre einmalige Abfindung nach dem Waffenstillstand und nach der Unabhängigkeit 1990 im Geiste der Versöhnung mit ihren ehemaligen Gegnern (SWAPO-Krieger) geteilt. Die SWAPO-Regierung ist heute in ihrer erbärmlichen Kurzsichtigkeit nicht im Stande, die Definition der Altkämpfer auf alle Teilnehmer des Unabhängigkeitskampfes auszudehnen. Der Einsatz der Kämpfer auf der südafrikanischen Seite (Namibier wie Südafrikaner) hat nie der Verhinderung der Unabhängigkeit gedient, sondern dem Schutz der Zivilbevölkerung und der Infrastruktur, die Guerilla-Kämpfer in gleicher Weise als strategisches Angriffsziel, auch für blutige Terrorakte, attackiert haben.
Die privilegierte Behandlung von Ex-Kämpfern der Befreiungsbewegung hat nicht nur unter ihnen sondern auch unter ihren längst erwachsenen Kindern der Mittdreißiger zur Anspruchshaltung geführt, dass Staat und Gesellschaft auch 20 Jahre nach der Unabhängigkeit ihnen noch ständig etwas schuldeten, so als ob sie vom Schicksal zur Sonderbehandlung gesalbt wären. Der Minister für Jugend und Sport hat bis Juli dieses Jahres 9119 Struggle Kids erfasst, die allesamt Sonderförderung beanspruchen und zwar vor dem Arbeitslosenheer der anderen Jugendlichen des Landes. Auch wenn der Anspruch einiger im Verlauf der Überprüfung ihrer Herkunft wegen Untauglichkeit hinfällig werden könnte, müssen Steuerzahler und Staat erneut in die Tasche greifen, um ein soziales Versäumnis von zwei Jahrzehnten auszugleichen.
Niemals sind alle 9000 Veteranenkinder reine Waisen. Es lässt tief blicken, dass die SWAPO in ihrer Lagerverwaltung der Flüchtlingskamps in Angola und Sambia nicht Buch geführt hat, welche Kinder von welchen Eltern stammen und welchen Familien und Ortschaften sie in der Heimat Namibia zuzuordnen waren.
Wieder einmal hat man sich auf internationale Partner (z. B. die UN-Flüchtlingshilfe) verlassen, derweil sich nachweisbare Eltern und die Verwandtschaft der Struggle Kids bei ihrer Heimkehr kaum gerührt haben, für Ausbildung und Arbeitsplätze zu sorgen. Aber am Donnerstag wollen wir Heldenruhm feiern. Wie schäbig und sozial unpatriotisch dagegen die Kehrseite unserer Gesellschaft aussieht!