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Regen in Namibia

 

Vom  8.12.2010

(K)Ein Herz für Kinder

„Kinder sind die Zukunft“, so lautet ein geflügelter Spruch. Demnach hat Namibia eine grandiose Zukunft, denn rund 40 Prozent der Bevölkerung sind unter 18 Jahre alt. Eine sehr junge Nation! Doch Quantität ist nicht gleich Qualität, wie ein aktueller Bericht belegt, den Regierung und Unicef zu Wochenbeginn vorgelegt haben (AZ berichtete). Diese „Situationsanalyse für Kinder und Jugendliche in Namibia 2010“ macht deutlich, dass diese Klientel nicht nur vernachlässigt wird, sondern offenbar auch keine Lobby hat.

Der wirtschaftliche Aufschwung und der damit einhergehende Wohlstand seit der Unabhängigkeit sind bei den Unter-18-Jährigen bis jetzt wohl nicht angekommen. Das ist die Schlussfolgerung aus dem Report, der als eines der Hauptprobleme die Armut nennt. Immerhin werden 34 Prozent der Haushalte mit Kindern als arm klassifiziert. Damit nicht genug: Rund 250000 Kinder und Jugendliche sind Waisen oder schutzbedürftige Kinder/Jugendliche (OVC). Dies ist hauptsächlich HIV/Aids zuzuschreiben, denn fast 50 Prozent der Waisen haben laut dem Report ihre Mutter und/oder ihren Vater durch die Immunschwächekrankheit verloren. Kein Wunder also, dass nur etwa ein Viertel der Kinder und Jugendlichen bei beiden Elternteilen lebt, wobei es dafür natürlich noch andere Gründe gibt.

Auch in Sachen Bildung sieht die Analyse nicht besser aus. Der Bildungsstand der Unter-18-Jährigen ist größtenteils als mangelhaft zu bezeichnen. Dabei sind Schulabbrüche wegen (meist ungewollter) Schwangerschaft – immerhin verlassen 14% der Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren aus diesem Grund die Schule – nur ein Phänomen, das zur mangelnden Bildung beiträgt.

Mit am Schlimmsten ist aber der (physische) Missbrauch: 40 Prozent aller Vergewaltigungsopfer – so heißt es in dem Report – sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren! „Schockiert“ ist wohl ein geschmeichelter Begriff für den Gemütszustand, den diese Zahlen auslösen. Wem dabei nicht schlecht wird, der ist selber schuld. „Wir sind krank, dass wir uns an den Jüngsten vergreifen“, konstatierte Doreen Sioka, Ministerin für Kinderfürsorge, angesichts dieser Fakten hilflos und selbstkritisch mit Blick auf die Gesellschaft. Recht hat sie. Leider!

Der Blick nach vorn lässt deshalb nichts Gutes erahnen. Die Kinder und Jugendlichen werden ihrer Kindheit und Chancen beraubt – die Nation ihrer Zukunft. Welche Möglichkeiten haben solch vernachlässigte und gepeinigte junge Menschen, sich als Erwachsene in die Gesellschaft einzugliedern? Wohl keine!

Eltern, Verwandte, Lehrer, Erzieher, Kirchenvertreter und andere gesellschaftliche Kräfte sowie Politiker haben den aktuellen Bericht hoffentlich zur Kenntnis genommen – und ihre Schlussfolgerungen gezogen. Denn wenn wir uns diesem Problem nicht ernsthaft widmen, wir dieser soziale Sprengstoff irgendwann explodieren. Und dann sind unsere Kinder nicht die Zukunft, sondern unser Untergang.
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