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Zerstörung

 

Vom 25.04.2008

Zeitig auf die WM vorbereiten

Hof(f)manns Erzählungen

© Nasty Internet
Vor der WM 2010 und nach der WM 2010 werden wir mos eurozentrischen Gewohnheiten erliegen, sondern die bodenständige Kultur pflegen. Der Europäer bringt die Uhr, wir haben die Zeit.
In zwei Jahren ist es soweit. Die erste Fußballweltmeisterschaft - WM 2010 - auf dem Kontinent Afrika findest Du schon im Protokoll des Kabinetts, das im Staatspalast Adlerhorst auf dem Auasblick tagt. Südafrikas Nachbarn hoffen allesamt auf den gewaltig überschwappenden Zulauf an Touristen, die – much (auf Deutsch aussprechen) und xhattvoll von Fußball – den Leu von der Kalahari bis in die Kgalagadi brüllen hören wollen, die barfuß am Grenzposten Mata Mata warmen roten Sand durch die Zehen filtern, die in Lüderitzbucht (politisch korrekt Luhdelitz) Austern schlürfen und Langusten schmausen, die sich in Groß Barmen lekker im heißen Wasser aalen und vrotten, in Tsoaxabmund frische Brötchen frühstücken und sich an der Etoscha den Kalkstaub von der Sonnenbrille reiben wollen.

Also, die Tourismusbranche soll sich beizeiten rüsten, sagen die Planer aus den Fat-Cat-Sesseln und ihre Augen glitzern im Witbooi-Dollar-Zeichen. Macht Euch auf einen muhrschen Hype gefasst.

Einige von uns haben solchen Rummel schon erlebt, sind zum Glück nicht jedes Mal darauf reingefallen. Denkt noch an die Vrottmilchkultur, die ein Skelm im Namaqualand gepflegt hat. Die Story ging ungefähr so: mach Dickmilch, trockne das dann zu Puder, schicke das Puder mit ein paar guten Geldscheinen – vor den Witboois waren das welche mit dem Van Riebeeck drauf - ins Namaqualand, wo der Oukie daraus eine Gesichtscreme fabriziert, mit der sich schon die Cleopatra von Ägypten mos wüst moi geschminkt hat. Jong der Nieuwoudt, oder so ähnlich hießt der Kosmetiker von Namaqualand, hat Geld wie Bossies gemacht. Und die ersten Leute haben zuerst etwas aus dem Pyramidenschema gekriegt. Die Letzten haben die Hunde gebissen.
© Steinbock
Auch auf Ovitoto bereiten wir uns schon auf das Eldorado mit Touristen 2010 vor: zackiger Telegraphenmast, per Rückstoß mit einem Otjiauto vom Ministerium für Neusiedlung produziert, Gefährt von der EU gesponsert. Brave neue globale Welt …
Dann kam der Y2K-Rummel (Wai-tuh-Käi) der Computerfritzen. Die haben den Sesselfortzern in allen Büros muhrsche Angst eingejagt, dass das ganze digitale System cräscht, wenn dreimal die Neune in der 1999 und einmal die Eins auf einmal auf 2000 rücken. Jong, Manager und Sekretäre haben Consultants bestürmt, Bäckups gekauft und angeblich neue Y2K-kompatible Blechhirne für fettes Geld angeschafft. Die Börsen haben vor Lust Purzelbaum geschlagen. – Das Ergebnis: die alten, nicht ersetzten Blechhirne haben nach 2000 weiter gedjobbt, die Eigentümer der Neuen mussten ihre Kästen noch abbezahlen. Und dann sind die IT-Aktien erstmal gecräscht und mancher hat sich seine Wunden geleckt. - Jetzt geht´s auf nach WM 2010. In Ovenduka fixen wir bald unser aufgedonnertes Unabhängigkeitsstadion für die Weltfußballer, die hier zum Aufwärmen herkommen, denn die FIFA laikt mos nich, wie wir öffentliche Einrichtungen vergammeln lassen. Ansonsten heben wir die Lodge-, Hotel- und Pensionspreise an, dass es nur so kracht.

Wie sieht die Welt 2010 aus? Die Wahlkommission von Comräd Bobba Mugabe zählt noch Stimmen für die Präsidenten aus und Comrad Elijah Ngurare von der Jugendliga der größten Partei aller Zeiten hält es mit Joseph Göbbels: für Simbabwe Kanonen statt Butter. - Nach der WM 2010 werden wir die Kartoffeln aber immer noch im Waser kochen.
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