Tritt der Tod ein, ringen Hinterbliebene nach Worten, weil die Dimension unseres alltäglichen Zeitmaßes durchbrochen ist. Geistliche und Zeremonienmeister müssen helfen, solche Worte zu finden, weil sie den Anderen fehlen oder sie sich nicht getrauen, zu solchem Anlass zu reden.
Da kommen überkommener Brauch, Kulturregeln und Institutionen zu Hilfe, Verlegenen und Hilflosen über die Stunden des Abschieds hinwegzuhelfen. Und der Verstorbene lebt im Nachruf und posthumer Laudatio noch einmal auf. "Dies und jenes" des Toten, so schwören sich nahstehende Hinterbliebene und ehemalige Mitarbeiter unter dem aktuellen Verlust und Schmerz, werde "auf immer unvergessen" bleiben. Das ist gut gesagt, solange es Träger gibt, die solche Erinnerung transportieren und weitergeben. Aber diese Träger sind eines Tages auch fort, und was sie vom "unvergessenen Verstorbenen" der nächsten Generation weitergeben, die ihn leiblich nicht mehr erlebt hat, muss unweigerlich bis in die Unkenntlichkeit verblassen, es sei denn, es entwickelt sich eine Legende daraus. Schon in der dritten Generation nach dem Verschiedenen weiß kaum jemand mehr etwas mit seinem geistigen Erbe anzufangen, es sei denn es ist zum Regelwerk und zur Alltagskultur geworden wie die Kneipp-Kur, Oetkers-Rezepte oder Bowden-Züge. Von Religionsgründern wollen wir jetzt nicht reden.
Zweifellos gibt es eine Vorbildfunktion, die markante Persönlichkeiten ausüben, ob sie nun ein Südwester Unikum waren oder ein namibisches Idol. Sie bleiben zitierfähig.
So auch weiland Onkel Harold Pupkewitz. Wir bitten um Nachsehen, denn einiges hat der Leser mos schon Schwarz auf Weiß gelesen oder von Anderen gehört. Eigenschaften und Vorzüge sind in Nachrufen zur Sprache gekommen. Jetzt ist politisch Anekdotisches an der Reihe, das der souveräne Wirtschaftskapitän im Spannungsfeld zwischen Schwarz und Weiß und zwischen Faulenzertum und Fleiß hinterlassen hat.
Auf wiederholte Aufrufe hin und nach politischem Druck findet wieder 'mal ein Frühstückswöckschopp im Nämpauer-Zentrum statt, zu dem Gönner, Mäzene und internationale Partner eingeladen sind, um ihnen die Dringlichkeit der Mildtätigkeit für das chronisch marode Schulwesen beizubringen, das es zu retten gilt. Der Oministeli aus dem Ressort gibt sich stief Mühe, den Ernst der Lage zu schildern und rechnet schon 'mal durch, mit wievielen Milliarden das Schulwesen gesunden könnte.
Onkel Harold meldet sich zu Wort: "Die Staatszeitung berichtet, dass in diesem Jahr im Monat Januar (das Schuljahr beginnt in der Regel zwei Wochen nach Neujahr) an den Staatsschulen des Nordens bis Ende des Monats ein Viertel bis ein Drittel der Lehrer unentschuldigt gefehlt haben. Ich möchte wissen, wozu wir spenden sollen." - Betretenes Schweigen, lange Gesichter.
Noch ein Frühstückswöckschopp. Diesmal geht's um Black Economic Empowerment, Korrekturmaßnahmen und ethnische Parität auf Managementebene, d.h. wieviel Schwarz, Weiß, Braun und Gelb sollte da sein. "Nicht dunkel genug", jammern die Organisatoren und greifen Onkel Harold wegen der Chefetage seines Konzerns an, wo zu viele Bleichgesichter sitzen. Sagt der Unternehmer: "Wir haben viele schwarze Manager für unsere Firma ausgebildet, aber die wechseln dann lieber zu den Staatsunternehmen, wo sie viel mehr als bei uns verdienen. Also müssen wir wieder weiße Manager einstellen, die bereit sind nach unserem Gehalt zu arbeiten." - Betretenes Schweigen, lange Gesichter, keine Fragen.
Mündigkeit ist ein guter Nachlass.













