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Zerstörung

 

Vom 17.04.2008

Polit-Tempo wird muhrsch kwai

Hof(f)manns Erzählungen

© Dirk Heinrich
Omupräsidente II gibt sich gelassen im Afro-Shirt zum Empfang hellhäutiger Gäste.
Jong, für die größte Partei aller Zeiten sind herrliche Zeiten angebrochen. Noch vor kurzem drohten der Partei die Feindbilder auszugehen. Ihr wisst toch, viel Feind, viel Ehr, hat irgendein Preußenkönig gesagt. Das gilt auch heute für die Südwestafrikanische Volksorganisation. Wenn nich genuch wirkliche oder vermeintliche Feinde da sind, wird das mos stinklangweilig. Noch vor einem Jahr hatten die Chefideologen nur die westlichen Imperialisten und hier und da ´nen Otjirumbu, der sein Maul nicht halten konnte und den sie wenigstens als eurozentrischen Intellektuellen etikettieren konnten. Aber sonst gab es wrachtach kaum jemanden, auf den die Genossen richtig einhacken konnten, weil das ganze Volk nach 18 Jahren wüst zahm, folgsam und brav geworden ist. Eine Ausnahme ist natürlich noch der parmantache Menschenrechtler, der any time zum Feindbild taugt, wenn man an abgedroschenen Imperialisten schon much geworden ist.

Die Feind-Ehr-Formel nehmen die Genossen wüst ernst. Wenn die Feindbilder ausgehen, fehlt es an Ehre. Und das ist schlimmer zu ertragen als Durst und Dürre. Da helfen auch das neue Staatshaus und der Heldenacker nicht weiter, obwohl diese Strukturen so manchen Feind iesie einschüchtern können.

Also es müssen echte Feinde her.
© Steinbock
Omushamane Jerry Ekandjo, der große Mobilmacher, zeigt hier – alles in prente – wie sich die politischen Zeiten wandeln und das Rad der Fortuna den Einen erfasst und den Anderen abwirft.
Jesslaik, da kam eine neue Partei wie gerufen. Hier gibt es endlich wieder Leute, die kannst Du so richtig Verräter und Judasse nennen. Hier hast Du die rechte Bedrohung direkt in unserer Mitte, so dass die Abwehrorgane der politisch korrekten Ordnung nach so langer Gammelzeit endlich wieder mobil gemacht werden können.

Mobil machen! Das ist es, wozu Omushamane Jerry Ekandjo, ansonsten auch Oministeli für Regionalverwaltung, von der Partei bestellt ist: „mass mobilisation & information“. Im wieder aufgewärmten Jargon des Kalten Krieges, des perpetuierten Befreiungskampfes und der Arbeiter- und Bauernparadiese sind Menschen nicht als Personen, sondern als Masse viel besser zu hantieren. Kapiert? Deshalb mass mobilisation. Masse muss mos nich denken, Masse musst Du nur lenken. Auch manipulieren, oder eben mobilisieren. Und diese hehre Aufgabe ist Omushamane Ekandjo zugefallen. Gleichzeitig setzt seine Partei ihn als Propagandawaffe gegen den neuen Feind ein. Der aktuelle Feind kommt nun in Gestalt einer Partei der Abtrünnigen und sorgt für viel Ehre in den Reihen der Machtgenossen. Jetzt ist Comräd Ekandjo am Wort: „Die Zeit und die Geschichte waren auf der Seite der SWAPO.“ Das ist nochall wahr. Eine Zeitlang wenigstens, bis die Zeit abgelaufen ist, für den Mensch allein oder die euphorisch mobilisierte Masse.

Letzthin hat Comräd Ekandjo speziell Schreiberlinge, Radio- und TV-Fritzen zur Abrechnung mit Radoppa eingeladen – das ist der Kosename für die Rally-Progress-Demokraten. Wo es nottut, hat die große Partei nochall ein längeres Gedächtnis, derweil politisch korrekte Politiker in der Regel mit der Vergesslichkeit der Masse rechnen. Omushamane Hamutenya hatte die große Partei wegen eines öffentlichen Druckauftrags an die parteieigene Druckerei angegriffen. Darauf kontert Omukwaniilwa Ekandjo vor der Presse mit Oviperendero, auf denen Omushamane Hamutenya selbige Druckerei noch in alter Eigenschaft als Funktionär der größten Partei aller Zeiten eingeweiht hat. Tit for tat, Auge um Auge, Zahn um Zahn. Was würden wir bloß ohne Feind machen?
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