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Regen in Namibia

 

Vom 27.08.2010

Hof(f)manns Erzählungen

Ruhmreiche Zeiten

© Nationaler Denkmalsrat
Der völlig unbekannte Soldat hält einsam Wacht am Südeingang von Ovenduka. Einige Bergbewohner, die natürlich niemals hinter ihm bestattet werden, fallen durch Respektlosigkeit auf. Otjiperendero: Nationaler Denkmalrat
Jong, wir gehen ruhmreichen Zeiten entgegen. Unter Führung der Partei, die sich für die Größte aller Zeiten hält, versteht sich. Dazu müssen wir noch etliche Dinge kapieren, die die Partei und ihre amper unsterblichen Führer selbst noch nich begriffen haben. Folglich haben das Politbüro und das Zentralkomitee, das Kabinett, die kadavergehorsame Arbeiterschaft und – sage und schreibe – auch die eine oder andere Person aus der unpatriotischen Opposition in dieser Woche ein kleines Komitee zusammengestellt, ad hoc, impromptu, Stegreif sozusagen. Und das Komitee hat morgens im Nationalfunk so schräg vor Sieben nochall wüst argumentiert, was denn eigentlich einen namibischen Helden ausmacht.

Es geht mos darum, wo die Trennungslinie zwischen gewöhnlichen Sterblichen, Imperialisten, Okwangalas und unerreicht Braven gezogen werden muss. Die letzteren haben allein Zugang zum Heldenacker, den der völlig unbekannte Soldat in bedrohlicher Kampfpose bewacht. Uneingeweihten kann der nochall Angst und Schrecken einjagen. Xhocha maak vir baba bang. Der Oukie hat keine Hand frei zum Grüßen, so is der mit Baller- und Feuerwerkswaffen beschäftigt, die ihm die Nordkoreaner beschafft haben. Der steht noch mitten im Krieg. Vom Gedanken an Schwerter zu Pflugscharen is der wüst weit entfernt.

Jesslaik, der Andrang is derart groß, als Auserlesener hinter dem wüst unbekannten Kämpfer unter die Erde zu kommen, wenn der letzte Atem ausgehaucht is, dass das Gouvernement nun eben eingreifen musste und dieses Stegreif-Komitee berufen hat, das ´mal so richtig ausleuchten soll, woraus ein echter namibischer Held gemacht ist. Wenn nämlich jeder Kandidat oder jede Kandidatin, den und die die Dorfbewohner von Ombundamuti und Okakekete für den Heldenacker empfehlen, auch dort in die Erde kommt, sind die Heldenterrassen sommer xhou-xhou überfüllt. Im weiträumigen Lande der Braven is Überbelegung und Übervölkerung nur in unseren Gefängnissen gang und gäbe.

Ihre Aufgabe zur Heldenbestimmung haben die Berufenen richtig ernstgenommen. Einige von ihnen haben aber gemount, dass bisher nur Tote von der Partei, die sich für die Größte aller Zeiten hält, dort auf dem Acker zur Ruhe gebettet wurden. Sollte Dir schon zu Lebzeiten dort eine letzte Liegestelle angeboten werden, musst Du Dir das wrachtach moi überlegen, ob Du drauf eingehst. Auf jeden Fall musst Du ein Liebhaber von Povianen sein, denn das sind die regelmäßigsten Besucher des Heldenackers. Und Du musst wissen, dass die bleddy wenig Respekt vor Gräbern, Plastikblumen und Kupferlettern zeigen. Dass sie wie typische Analphabeten und Povianbanausen sommer so die Kupferlettern vom Denkmal rupsen, ging schon durch die gemeine Presse.

Aber net nich worrien, zwischen dem Ad-Hoc-Komitee und uns werden wir die Heldensache noch moi aussortieren. Gib uns net Kans.
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