
Die Erdbewegungsarbeit am Reiterstandbild is mos schwer, deshalb hält der Baggerfahrer eine verdiente Verschnaufpause
Die Oper vom fliegenden Reiter von Südwest, Namibia oder vom Lande der Braven kann nun komponiert werden, nachdem der fliegende Holländer etwas ins Abseits geraten ist. Mit einem wahren Balanceakt haben die Konstrukteure und Kranfahrer Pferd und Reiter am vergangenen Freitag wieder an einen würdigen Flecken verpflanzt. Ovenduka kann nun zu Recht von den Ovambo wieder Oshilongo shoka kambe genannt werden – der Platz des Pferdes. Oder: koshilando shoka kambe komusamane kalondoloka, was uns die Studentin Helvi Elago, die über das Denkmal eine Arbeit schreibt, so übersetzt: die Stadt des Mannes, der niemals vom Pferd gestiegen ist. So kann Windhoek auch von allen anderen genannt werden, die irgend etwas mit Pferd und Reiter zu tun haben. Die Ovambo - das is mos der exekutiff Traib (executive tribe), wie Lazarus Jacobs als Oshivambosprecher das tragende Staatsvolk nennt, die Menschen seiner Herkunft – also die Ovambo sind vor allem auch mit allen anderen Helden – mit und ohne Reiter - ausschlaggebend - dass der Reiter wieder unbeschwert in die Ferne auf das Khomas Hochland schauen kann. Das brutalistische Monumentalmuseum, das die neuen Helden ihren Heldenkämpfern jetzt widmen, verstellt den Blick „nur“ nach Norden, wo er zum Glück nicht hinguckt. Nur das Pferd muss sich über den wachsenden Klotz wundern, weil sein Kopf skraps in die Richtung zeigt.

Ongoro nomundu im Schwebezustand mit windbewegten Bändern – „the winds of change“ – zwischen der Kolonialära und der namibischen Epoche ruhmreicher Superhelden.
Helvi Elago hat auch den Ovaherero aufs Maul geschaut, wie sie das Standbild nennen und bietet einen schlichten Begriff an: ongoro nomundu, das Pferd und der Mann. Bemerkenswert ist, dass Reiter und Pferd in den anderen Sprachen anders und in anderer Reihenfolge eingemeindet sind als bei den Ovandoitji. Die Ovaherero und Ovambo beachten ausdrücklich Mann und Pferd, während die Ovandoitji in der Regel nur vom Südwester Reiter oder vom Reiterstandbild sprechen, als ob der Gaul nicht dazugehörte. Aber die sprachliche Eigenart will es auch, dass man nur dann von einem Reiter spricht, wenn er hoch zu Ross im Sattel sitzt. Hat er abgesattelt hat, hoffen die Damen, dass er wenigstens noch ritterlich erfahren, was bei Männern mos keine bleddy Selbstverständlichkeit is.
Nun, der Südwester Reiter hat schon einmal abgesattelt, um mit den Truppenspielern der Ovahereo zumindest im Film, aber noch nicht in der Oper, zu exerzieren. Die Generalprobe für die Oper hat er mit dem Umzug und durch die Verhüllungskunst – wie von Christo und Jea-Claude eingekleidet - mos schon iesie bestanden. In des Reiters Partnerstadt Berlin, die intensiv bemüht ist, jegliche Erinnerung an die Kolonialära zu tilgen, haben diese Künstler ja gleich den ganzen Reichstag eingekleidet. Uns genügt´s, wenn Reiter und Pferd vorübergehend im Marionettentheater auftreten – puppet on the string .
Der Reiter baumelt leicht im Winde
Sein Pferd hängt grad´ im Bauchgebinde
Schreibt ein Leser: „Eigentlich ist sein stoisches Ausharren bewundernswert. Er könnte unter den Gesamtumständen leicht der Fliehende Reiter geworden sein, aber so hält er die Blickrichtung auf das ferne und ebenso bedauernswerte Deutschland.“