Die heutige Titelseite

 

Newsletter


Regen in Namibia

 

Vom 15.07.2010

Auasblick! Oh Auasblick!



© Steinbock
Der Gipszoo auf dem Gelände des Staatshauses wurde mit Vollendung der Residenz des Staatsoberhauptes, derzeit Omupräsidente II, noch um Bananen schälende Affen – hier nebenan festgehalten -, Schildkröten Fröschen, Möwen und Robben erweitert.
Schon etliche Male haben wir die Ehre gehabt, das Gelände des Staatshauses auf Auasblick zu betreten. Die Ausgestaltung entfaltet sich weiter. Das wird moi und net noch moier. Der asiatischen Fantasie, wie erhabenes afro-asiatisches Lebensgefühl darzustellen sei und wie nordkoreanische und chinesische Bildhauer, Modellierer und Gipsgießer sich Mühe geben, dem vorherrschenden Geschmack der neuen Elite entgegenzukommen, sind sowahr keine Grenzen gesetzt.

Da war schon zu berichten, wie es die Gemsböcke vor dem Löwenbrunnen dem Himmel klagen, wie sich Gipszebras am Buschhang tummeln.

Jetzt ist der Zoo erheblich mit Affen, Robben, Schildkröten, Fröschen, Kochelmanders und Möwen erweitert worden. Nein, die Figuren sind nich für den Spielplatz der Enkel und Urenkel der Präsidenten gedacht. Sie sind für alle Ovaministeli, höhere Bürokraten sowie Schreiberlinge und Fernsehfritzen gedacht, die pflichtgemäß erscheinen oder eben eingeladen werden, weil Omupräsidente II und die Ovaministeli ihre Beschlüsse und Staatsgäste toch im Fernsehen wiedersehen und auf dem geduldigen Ombampira abgedruckt sehen möchten.

Wir ha´m mos schon einmal auf die Innenausstattung des Staatshauses hingewiesen, wo es Wandfriese mit Viehzeug und Pflanzen gibt, die eine besondere Einbildung ausstrahlen. Die Viecher der namibischen Savanne und Wüsten treten als lustige Vierbeiner auf, die allesamt aus Walt Disneys Lion King kommen könnten, weil sie wie grinsende Plüschtiere der Kinderstube vergnügt drein schauen. Sie krabbeln und bewegen sich unter Bäumen, die extrem breitblättriges Laub tragen, und streifen saftige Stauden. Wenn unsere guten Regenzeiten jetzt 10000 Jahre nahtlos weiter so gut ausfallen wie die vergangenen drei, vier, dann wird das Urwald- und Tropenmilieu tatsächlich eintreten, was die chinesischen und nordkoreanischen Bildner an der Wand kreiert haben.
© Steinbock
Oministeli Omushamane Nahas Angula, links, und Omupräsidente I, Omushamane Osema Shafiishuna Nujoma, bewundern die neuen Affen bei der Residenz des Staatsoberhauptes auf Auasblick.
Wir müssen net moi kapieren, dass das alles seine Richtigkeit hat. Omushamane Helmut Angula hatte uns schon aufgeklärt, dass das Unabhängigkeitsmuseum deshalb keine namibischen Architekten und Baufirmen benötigt, weil es mit dem Staatshaus und dem Heldengedenkmal alles zu einem (asiatischen) Paket gehört und Leute von hier außerdem nicht zu solchen Projekten fähig wären. Das trifft selbstverständlich noch mehr auf die innenarchitektonische und künstlerische Ausstattung zu, nämlich auf die Wandfriese, die Wandmalereien und auf das Gips-Viehzeug auf dem Gelände des Staatshauses sowie der präsidialen Residenz und der VIP-Gästequartiere. Anerkannte namibische Künstler hätten so etwas wrachtach nich fertig gebracht, es sei denn unter Androhung, in ein Erdloch gesperrt zu werden!

Das lustige Affenensemble auf künstlichem Felsen schießt muhts den Vogel ab. Kein Mensch kennt in Jung-Namibia solche Macacos, die nicht einmal den Meerkatzen im Busch von Kavango ähneln. Immerhin bringen sie der Republik Namibia eine Botschaft: die zeigen mos, dass sogar Affen Bananen richtig schälen können, auch wenn es sonst niemand kann.
Archiv


Wetter

EES GANZ PRIVAT