60 Zuschauer hatten trotz des langen Wochenendes den Weg ins Goethezentrum gefunden und konnten dort ein mehr als abendfüllendes Programm genießen, in bequemen Sofas und bei Kerzenschein. Von der pompösen Eröffnungszeremonie im aserbeidschanischen Baku über skurrile Beiträge, wie beispielsweise der Auftritt von sechs russischen Omas, bis hin zum finalen Voting vergingen viereinhalb kurzweilige Stunden. Und jeder hatte so seine Favoriten: "Ich fand Danny Montell mit 'Love is Blind super'", sagte Sackie, Deutsch-Student an der Universität von Namibia, der sich den ESC an diesem Abend überhaupt zum ersten Mal ansah. Der litauische Kandidat legte mit Augenbinde und kitschigem Gesang einen denkwürdigen Auftritt hin, bei dem die Zuschauer in der Fidel-Castro-Street des Öfteren in herzhaftes Lachen ausbrachen. Das blieb an diesem Abend kein Einzelfall.
Das Meinungsbild des gesamten Publikums war jedoch in der Abstimmung am Ende klar: Deutschland sollte das Rennen machen. Immerhin schon an zweiter Stelle stand aber der Beitrag, der am Ende auch in Baku mit Abstand gewinnen sollte: Schweden. Dort wird also auch der nächste ESC stattfinden.
"Wir sind sehr zufrieden mit dem Abend", sagte Bianca Portrykus vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), die die Live-Übertragung zusammen mit dem Goethe-Zentrum organisiert hatte, "vor allem weil die Beiträge von skurril bis richtig gut alles boten". Auch Detlef Pfeifer vom Goethe-Zentrum sieht den Abend als vollen Erfolg: "Mir hat besonders gut gefallen, dass wir auch im Publikum eine gute Mischung aus Deutschsprachigen und nicht-Deutschsprachigen hatten." Als wandelndes Gedächtnis des ESC, dem aus dem Kopf zu fast allen Wettbewerben der vergangenen Jahrzehnte eine Geschichte einfällt, war er natürlich auch von den vielen neuen Geschichten, die der diesjährige zu bieten hatte, begeistert. So hielt sich die Enttäuschung über den achten Platz des deutschen Kandidaten dann am Ende auch bei allen in Grenzen.
Marc Fröhling










