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Toktokkie spricht: Das Alter der Quallen

Wer will die Qualle? Wir brauchen sie nicht alle! Somit erklärte Ogden Nash das große Vorkommen der Quallen. Unser Benguela-Strom wird allmählich immer mehr in eine dicke Quallensuppe verwandelt. Das Meer leuchtet buchstäblich, rosig bei Tag, fluoreszierend bei Nacht. Obendrein sind diese zahlreichen Kreaturen im evolutionären Sinne sowie auch in ihrer Lebenslänge uralt. Bereitet Euch auf das Alter der Quallen vor!
Wie jeder Namib-Toktokkie weiß, gehören Quallen zu den ältesten Multiorganlebewesen der Erde. Sie erschienen zuerst vor etwa 700 Millionen Jahren und bewohnen heute alle Bereiche der Ozeane. Junge Quallen sind stängelförmige Polypen, die freischwimmende schüsselköpfige Medusen hervorbringen. Daher der Name ihrer taxonomischen Klasse, Scyphozoa (Schüsseltier). Der Stammname, Cnidaria, ist vom Ausdruck für die Nesselstacheln der Qualle abgeleitet.
Die Quallenart, Turritopsis nutricula, besiegt ihre eigene Sterblichkeit, indem sie ihre Zellen immer wieder verjüngt und so ihren Lebenslauf wiederholt ohne zu sterben - es sei denn sie wird umgebracht. Turritopsis pflanzt sich auch sonst fort, und viele verschiedene Generationen leben zusammen, alle unsterblich.
Sollten wir uns freuen oder empört sein, das die Ozeane vor Quallen bald überquellen? Im Benguela-Strom haben wir ihnen scheinbar die Bahn geebnet. Wir machen Platz für Quallen, indem wir ihre Konkurrenz beseitigen. Immer wieder werden Fischquoten derart hoch angesetzt, dass die Fischbestände zu guter Letzt zusammenbrechen, Art für Art. Allerdings werden Quallen (noch) nicht berührt. Die Fischpopulation verliert somit an Raum und dann sich nicht einfach erholen, weil die Quallen das Monopol über Plankton übernehmen. Über lange Zeit fressen, vermehren und gedeihen sie prächtig. Obwohl dieser Prozess schon viele Jahre lang anhält, bemerkt es Jedermann erst vorKurzem: Halt, woher kommen denn diese vielen Quallen auf einmal her? Es stellt sich heraus, wir sind ihre besten Verbündeten.
Können wir nichts unternehmen, die Quallenpopulation zu kontrollieren? Sollte die Fischindustrie etwa Quallen ernten, um den Druck auf die Fischbestände zu reduzieren? Genau das wird in Ostasien bereits getan. Es hat viele Vorteile, die Eigenschaften der Quallen zu nutzen. Nicht nur können manche Quallen ihre eigenen Altersgrenzen prellen, sie können auch uns Menschen verhelfen etliche unserer ungewünschten Begleiterscheinungen des Altwerdens zu lindern. Es wurde erforscht, dass ein Protein, welches von der Quallenart Aequorea victoria stammt, Demenz verhüten kann, indem es das Kurzzeitgedächtnis verbessert und die kognitive Kapazität älterer Menschen erhöht. Verluste des Verstandes werden verlangsamt. Quallen können uns somit behilflich sein, besser mit dem Altwerden zurechtzukommen. Unabhängig vom Alter kann man Essquallen verspeisen, indem man sie zunächst trocknet, danach in Wasser einweicht, kocht und würzt. Guten Appetit! Vorteile sind u.a. verbesserte Hirn- und Augengesundheit, Verhütung von Asthma und Entzündungen, verminderte Blutgerinnung, niedrigerer Blutdruck und Diabetesbekämpfung. Die Liste der vielen Gesundheitsvorzüge (und etlicher Risiken) ist lang.
Zophosis moralesi ist erstaunt, dass solch ein bescheidenes Lebewesen, ohne ein vernünftiges Gehirn, solch ein sagenhaftes Alter erreichen kann und auch Menschen hilft, die Hirnkraft, Gesundheit und Langlebigkeit zu verbessern. Quallen sind nicht allein. Sie sollten aber nicht vergessen, dass auch andere Plankton verspeisen. Auch wir können klug essen, älter werden auf Kosten der Unsterblichen.

Joh Henschel

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13-Jul-2012-08:26

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