
Die „Way of Hope – Singers“ aus Hoachanas/Namibia haben sich für vier Wochen auf Konzerttournee in Deutschland befunden. Eine Drei-Flussfahrt bei Passau zählte mit zu ihren unvergesslichen Eindrücken.
Acht Sängerinnen und Sänger aus Hoachanas - alle seit Jahren dem Hoachanas-Children-Fund verbundene junge Menschen - kehrten nach vier erlebnisreichen Wochen wohlbehalten nach Namibia zurück. Ihre Konzerttournee führte sie über Aschaffenburg, Oelde, den Deutschen Evangelischen. Kirchentag in Dresden, Klingenberg, Radolfzell am Bodensee, Ortenburg bei Passau, Datteln, Köln und Düsseldorf, also quer durch Deutschland. Überall berührten sie die Menschen mit ihren Liedern und Tänzen, in denen sie ihnen die Geschichte der Menschen aus Hoachanas nahebrachten. Eingeladen von der Gründerin des Hoachanas-Children-Funds Angelika Gleich, fanden sich an allen Orten Paten, die ihnen meist in Familien Unterkunft und Verpflegung gewährten und die Konzerte organisierten.
Zu Beginn trug die Gruppe alte Lieder und Tänze vor. Die aufwühlende Geschichte ihrer Heimat spürte man in den Liedern, wenn die Sänger von dem Kampf um Nahrung erzählten, von der Tochter, die von einer Schlange gebissen wurde und von der Vorfreude auf ein Essen, das über dem Feuer gart. In diesem Konzertteil trugen die jungen Musiker passend eine Kleidung aus Springbockfellen, bunten Tüchern und Schellenkränzen.
Zum zweiten Teil zogen sie mit einem kraftvoll gesungenen „Halleluja" ein, er umfasste die Zeit von vor 150 Jahren bis zur Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990. Gekleidet waren die vier jungen Frauen jetzt in bunte Patchwork-Kleider. Die jungen Männer trugen geflickte Arbeitshosen. Nun sangen sie weitere Volkslieder aber auch Lieder, die von ihrem christlichen Glauben künden. Besonders anrührend war das letzte Lied dieses zweiten Teils, „N'kosi Sikelele Afrika" - Gott segne Afrika, das Kirchenlied, das zum Kampflied des Widerstandes gegen die Politik der Apartheid geworden war. Langes andächtiges Schweigen und anschließender stehender Applaus zeugte davon, wie beeindruckt die Zuhörer waren.

Quer durch Deutschland reisten die acht Sängerinnen und Sänger von „Way of Hope – Singers“. Einer der vielen erfolgreichen Auftritten war im Zwinger/Dresden.
Mit „Oh Namibia" begann der dritte Teil des Konzerts, der die Zeitspanne von der Unabhängigkeit Namibias bis zur Gegenwart umfasste. Viele der Lieder waren nun in der neuen Staatssprache Englisch und bedurften keiner Übersetzung mehr. Gekleidet waren sie nun in Jeans und T-Shirts. Besonders in diesem Teil wurden jetzt die jungen Namibier zu Missionaren der Deutschen. Mit unbändiger Lebensfreude und geballter Energie sangen sie bekannte Gospels und Lieder, in denen sie ihren Glauben in ihrer Sprache bezeugten.
Bewegend hier auch das Lied über Glaube, Liebe, Hoffnung, das sie den Opfern von HIV-Aids widmen und in dem sie versprechen, dass sie als Christen so leben wollen, dass der Weg sie nicht ins Dunkel führt.
Die Begegnung hat viele Menschen zum Nachdenken gebracht - sowohl Gastgeber und Konzertbesucher als auch die Sängerinnen und Sänger. Auf Seiten der Deutschen ist wohl vielen wieder einmal bewusst geworden, in was für einem gesegneten Land sie leben und wie zufrieden sie sein könn(t)en. Andererseits wohl auch das Bewusstsein, dass die Deutschen verglichen mit ihnen zwar materiell reich sind, aber sie in vieler Hinsicht über einen Reichtum verfügen, den sie nicht (mehr) haben: übersprühende Lebensfreude, Zuversicht und Glauben.
Was haben die jungen Namibier in Deutschland erlebt? Natürlich viel Schönes, denn sie wurden überall herzlich empfangen und es wurde ihnen viel geboten: Besuche in einer Schule und einem Kindergarten, bei Feuerwehr und Freizeitpark, Museen, Schifffahrt auf Bodensee und Donau, Werksbesichtigung bei BMW, Konzert eines Trachtenvereins, Kölner Dom, etliche Gottesdienste und die Beteiligung am Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden - um nur einige Höhepunkte zu nennen.
Sie fanden es bemerkenswert, dass Deutschland ein Land mit Wald sei, in dem Städte und Dörfer sind, dass es dreimal täglich Essen gibt, dass auch Frauen Bus und Taxi fahren, dass die Tage lang und die Nächte kurz sind, es keine wilden Tiere gibt…. Gerson, der sich die deutsche Sprache weitgehend in einem Selbstlern-Sprachkurs beigebracht hatte, sagte, dass ihn die Deutschen inspiriert haben, ihr Fleiß und Selbstdisziplin, ihre Leistungsbereitschaft wenn sie ein gesetztes Ziel erreichen wollen. Dem will er nacheifern. Neben allem Positiven haben sie auch vieles gesehen, was ihnen nicht gefallen hat: sie finden, dass die Kinder in Hoachanas ein schöneres Leben haben. „In Deutschland sind es so wenige, das ist doch langweilig. Und die Kinder müssen immer in den Häusern bleiben, weil es draußen viel zu gefährlich ist." Sie fragten, ob das vielleicht der Grund sei, dass die Kinder bei uns so anspruchsvoll seien und ständig beschäftigt werden müssen.
Nicht desto trotz blicken alle positiv auf die Konzertreise zurück, die sicher zu einem gelungenen Beitrag zur Völkerverständigung wurde.
Angelika Gleich
www.hoachanas.de