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Vom 13.01.2009

Bücher 2008, die viel oder wenig Beachtung gefunden haben, Teil II

In und über Namibia erscheint jährlich eine außerordentlich große Anzahl an Büchern und anderen Publikationen, für die es anscheinend nicht genug Leser gibt. Hinzu kommt neuerdings im Juni die mittlerweile jährliche Buchmesse in Kapstadt, auf der vor allem südafrikanische Verleger und Autoren der SADC-Region zur Lesekultur, Informationsaustausch und zu Begegnungen beitragen.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit weisen wir hier auf einige Publikationen hin, die im vergangenen Jahr im Bereich Geschichte, Politik und Unterhaltung Beachtung gefunden und hier und da auch neue Kenntnis, eventuell sogar soziale Selbstkenntnis, vermittelt haben.

Erwachen aus der Euphorie
 
After the Party – A Personal and Political Journey inside the ANC - Andrew Feinstein, Medium Englisch, 290 Seiten. Jonathan Ball Publishers 2007/08. Druck: CTP Book Binders, Parow, Kapstadt. ISBN 978 1 86842 262 3.

Andrew Feinstein hat über sieben Jahre als ANC-Abgeordneter im südafrikanischen Parlament gesessen. Die regierende Partei hatte ihn auf Grund seiner aktiven und konsequenten Unterstützung des ANC seit den achtziger Jahren und auf seinen energischen Einsatz im Wahlkampf hin in die parlamentarische Fraktion aufgenommen. Seine Euphorie für das neue Südafrika wurde dann erschüttert. Als enttäuschter Verfechter der Erneuerung der Kaprepublik nach der Apartheid hat er das Parlament aus eigenem Willen verlassen und seine Erfahrung niedergeschrieben: „… es war schwierig, weil in der Kultur des ANC implizit akzeptiert wird, dass man nicht öffentlich über das spricht, was innerhalb der Organisation passiert, vor allem wenn es Kontroverses oder Widersprüchliches zur Parteilinie betrifft … aber ich glaube, dass es tatsächlich etwas wie die Wahrheit gibt. “
Feinstein gehört zu einer steigenden Zahl Abtrünniger der Regierungspartei – in Namibia gibt es ähnliche Fälle, – die aus Gewissensgründen austreten. Feinstein schreibt mit feiner Beobachtungsgabe und beseelt über seinen Einsatz für die Ideale des neuen Südafrika vor und unter Mandela. Er schildert sein politisches Engagement überzeugend im Verbund mit anderen Mitstreitern, bis die Ernüchterung eintritt, wegen chronischer Machtintrigen innerhalb der Partei, der Leugnung der HIV/Aids-Epidemie durch Präsident Thabo Mbeki und schließlich, dass sein Bemühen, der Korruption um den Waffenhandel um den Vizepräsidenten Jacob Zuma nachzugehen, blockiert wurde.
Feinstein räumt ein, dass er den Verhältnissen nicht gewachsen ist, schöpft aber Hoffnung aus der Tatsache, dass Südafrika immer wieder Menschen hervorgebracht hat, die das Landesinteresse über persönliche und enge Belange der Partei angesetzt haben: Nelson Mandela, Steve Biko, Desmond Tutu, Beyers Naudé und Nadine Gordimer, um nur einige zu nennen. „Derweil solche Politik der Hoffnung ein Traum der Ferne bleibt, ist es auf dem Weg zum neuen Jerusalem notwendig, dass jeder Einzelne den Mut besitzt, der Macht die Wahrheit zu sagen.“
Feinsteins jüdische Vorfahren lebten in Litauen und Österreich. Wie die verstorbene Helen Suzman gehört er zu den Menschen, die sich weit über seine eigene Gruppenzugehörigkeit für das Ganze einsetzen.

© Eberhard Hofmann
Geoffrey Nyarota beim kontinentalen Journalistentreffen „Highway Africa“ in Grahamstown 2007.

Wahrheit unerwünscht
 
Against the Grain – Memoirs of a Zimbabwean Newsman – Geoffrey Nyarota, Medium Englisch, 290 Seiten mit Fotos biographischer Stationen. Zebra Press 2006. Druck: Paarl Print, Paarl, Südafrika. ISBN 177007 112 1.
Geoffrey Nyarota gehört zur Generation von Simbabwern, die sich aktiv an mehreren Front für die Unabhängigkeit ihres Landes eingesetzt und nach 1980 am nationalen Aufbau mitgewirkt haben . Er war ein preisgekrönter Redakteur, bis seine Darstellung der Verhältnisse ihm den Zorn des Präsidenten Mugabe einbrachte. Er wurde einer der ersten Angeklagten der neuen drakonischen Pressegesetze des Mugabe-Regimes. Nyarotas Reportagen über Korruption unter Mugabe brachten Schikane, Einschüchterung, Verhaftung, einen verwüstenden Sprenganschlag auf seine Zeitungspresse und Lebensgefahr mit sich, so dass er 2003, zuletzt als Redakteur der „Daily News“, die später verboten wurde, den Weg ins Exil einschlug. Er war Gründungsmitglied der Zeitung. Ein weiterer begabter Exilanten-Redakteur aus Simbabwe war Farayi Munyuki, der vor einem Jahr verstorben ist. Munyuki hatte schon Ende der achtziger Jahr vor Mugabe ausweichen müssen, hat dann mehrere Jahrgänge angehender Journalisten der Namibischen Nachrichtenagentur (Nampa) ausgebildet.
Nyarota war hintereinander Redakteur der Chronicle, Financial Gazette und zuletzt der Daily News, die allesamt den Niedergang des Mugabe-Regimes bereits in den Anfängen geschildert haben. Die bürgerliche Freiheit wurde nach der Unabhängigkeit schrittweise durch staatliche Korruption und Unterdrückung verdrängt. Wie in der brisanten Erzählung von Feinstein über den ANC so schildert der Autor Nyarota ebenso die Unterdrückung der Wahrheit in Simbabwe, mit dem Unterschied, dass im totalitären Staat die Phase physischer Gewalt schon zur „Normalität“ gehört. Der Exilant hat das Buch dem Volk von Simbabwe gewidmet, wohin er zu Lebzeiten Mugabes nicht zurückkehren kann. „Hoffentlich wird Robert Mugabe für Geoffrey Junior (sein Enkelsohn) eines Tages eine ferne, wenn auch schmerzliche, Erinnerung“, so der Autor.
© Paarl Print
Ausschnitt aus dem Buchumschlag „An Unpopular War“

„Unsere Jungs an der Grenze“
 
An Unpopular War – From afkak to bosbefok –Voices of National Servicemen - J.H. Thompson. 240 Seiten, Medium Englisch. Zebra Press 2006/2007. Druck: Paarl Print, Paarl, Südafrika.

Der Johannesburger Reisejournalist und Fremdenführer Thompson hat rund 20 Jahre nach dem Buschkrieg ehemalige Rekruten Südafrikas interviewt, die in der Regel nach ihrer Grundausbildung an der namibisch-angolanischen Grenze eingesetzt wurden. Die „Jungs“, damals meistens zwischen 17 und 22 Jahre alt, sind heute in ihren Vierzigern. Aber sie haben Thompson willig zu Wort gestanden. Ihre kurzen anekdotischen Beiträge belässt er unverblümt in der derben Truppensprache – das Afrikaans wird häufig im vulgären Original übernommen, weil es nicht übersetzbar ist. Thompson ordnet die Themenbereiche: Rekrutierung und Einweisung; Drill und Waffen; Wäsche, Bügeln und Inspektion; im Busch, lokale Bevölkerung und andere Szenen.
Rekruten leiden unter häufiger Schikane, der afrikaans-englische Gegensatz tritt hervor, das ambivalente Verhältnis zur Lokalbevölkerung , hauptsächlich im Ovamboland und Südangola, wird angesprochen, aber auch die Erfahrung in der südafrikanischen Marine kommt an die Reihe. Thompson lässt nur die damals jungen Soldaten zu Wort kommen und überlässt jegliche Interpretation dem Leser. Dabei ist Kenntnis von Afrikaans wegen der vorwiegenden Sprachkultur in der damaligen südafrikanischen Wehrmacht unbedingt von Vorteil, vor allem bei spezifischem Befinden und Vorgängen, denen ein ganzes Kapitel gewidmet ist: „Afkak, opfok, rondfok, vasbyt“. Ein Glossarium am Ende bietet Hilfe zum Einstieg.
Vieles ist bitterer Ernst, die Detonation der Landmine, Typ „Black Widow“, die einem Soldaten das Bein abreißt, aber ihn nicht töten soll. Das Los der Zivilbevölkerung, die im Grenzbereich zwischen zwei Fronten aufgerieben wird …
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