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Regen in Namibia

 

Vom 12.01.2009

Bücher 2008, die viel oder wenig Beachtung finden - Teil I

In und über Namibia erscheint jährlich eine außerordentlich große Anzahl an Büchern und anderen Publikationen, für die es anscheinend nicht genug Leser gibt. Hinzu kommt neuerdings im Juni die mittlerweile jährliche Buchmesse in Kapstadt, auf der vor allem südafrikanische Verleger und Autoren der SADC-Region zur Lesekultur, Informationsaustausch und zu Begegnungen beitragen.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit weisen wir hier auf einige Publikationen hin, die im vergangenen Jahr im Bereich Geschichte, Politik und Unterhaltung Beachtung gefunden und hier und da auch neue Kenntnis, eventuell sogar soziale Selbstkenntnis, vermittelt haben. Die Bücher und Schriften sind im Laufe des Jahres in Namibia oder auch auf der Buchmesse in Kapstadt erschienen. Bei den Büchern ist darauf zu achten, ob ein Werk mit institutioneller Hilfe oder im Auftrag einer Körperschaft oder aus eigenem Antrieb eines Autoren erstellt wurde.
© Friedrich-Ebert-Stiftung

Das chronische Reizthema
 
This Land is my Land – Erika von Wietersheim, Medium Englisch/Deutsch, 260 Seiten illustriert mit Porträts von Interessenträgern, herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung, Namibia, 2008. Druck John Meinert (Pty) Ltd., ISBN 978-99916-820-5-1
Vor der Kulisse der weitgehend politisierten Landreform und der umstrittenen staatlichen Enteignung einiger produktiver Farmen (gegen Entschädigung) sowie der Verarmung unter den Neusiedlern, denen durch die Landreform geholfen werden soll, ist diese Sammlung Interviews eine aktuelle Reflektion der Emotion und Empfindlichkeiten. Im regionalen Bereich steht das Fiasko der gewaltsamen Landreform und Diktatur in Simbabwe als Fanal, als Abschreckung im Hintergrund. Einige namibische Politiker sehen den destruktiven Verlauf in Simbabwe dennoch als Vorbild.

Schon die Buchvorstellung mit einer Podiumsdiskussion im Oktober 2008 hat für Kontroversen gesorgt. Es gibt kaum einen Bereich, in dem die Extremen, nämlich Illusion, Wunschdenken, Erwartung, Vorurteil und harte Tatsachen existenzieller Wirklichkeit weiter auseinanderklaffen als in der Landreform. Die Autorin Erika von Wietersheim, Freelance-Journalistin, hat als Interviewpartner ein breites Spektrum erfasst vom Kabinettsminister, Farmer, Farmarbeiter, Neusiedler und Kirchenführer. Ein Beitrag, der Positionen absteckt, Illusionen schildert und die Komplexität des Reizthemas etwas erhellen kann.

Namibischer Wandel – wohin geht´s?
 
Transitions in Namibia – Medium Englisch, 262 Seiten, redigiert von Henning Melber. Herausgegeben vom Nordischen Afrika-Institut, Uppsala, Schweden, 2007. Druck: Elanders Gotab AB, Stockholm. ISBN 978-91-7106-582-7.

Dieser Band enthält eine Reihe von Beiträgen fachkundiger namibischer oder auswärtiger Autoren, die sich intensiv mit brisanten Themen befassen. Dazu gehören aktuelle und kontroverse Fragen wie die kommerzielle Landreform im postkolonialen Namibia (Dozent Phanuel Kapama, UNAM), der Stand der Arbeiter und Gewerkschaften (Arbeitsexperte Herbert Jauch), der Fall Ramatex (Volker Winterfeldt, UNAM), „China in Namibia“ (Gregor Dobler, Anthropologe, Basel, Schweiz), die Entstehung der schwarzen Wirtschaftselite (Henning Melber, Politologe, Uppsala, Schweden), die Caprivi-Zipfel unter alter und neuer indirekter Herrschaft (Wolfgang Zeller - Geograph, Helsinki, und Bennett Kangumu Kangumu, Universität Kapstadt, UCT), von anti-kolonialer Propaganda zur „patriotischen Geschichte“ (Christopher Saunders , Historiker an der UCT). Der Buchtitel suggeriert „Wandel und Übergang“ in Namibia, derweil die Autoren durchaus kritisch auf die Frage eingehen, inwiefern es sich um Wandel zum Besseren handelt.
Dieser Band vervollständigt ein Projekt des Nordischen Afrika-Instituts, das von 2001 bis 2006 unter dem Titel „Liberation and Democracy in Southern Africa“ bearbeitet wurde.

Hermann Giliomee

Geschichte des Raums Südafrika
 
Transitions in Namibia – Medium Englisch, 262 Seiten, redigiert von Henning Melber. Herausgegeben vom Nordischen Afrika-Institut, Uppsala, Schweden, 2007. Druck: Elanders Gotab AB, Stockholm. ISBN 978-91-7106-582-7.

Dieser Band enthält eine Reihe von Beiträgen fachkundiger namibischer oder auswärtiger Autoren, die sich intensiv mit brisanten Themen befassen. Dazu gehören aktuelle und kontroverse Fragen wie die kommerzielle Landreform im postkolonialen Namibia (Dozent Phanuel Kapama, UNAM), der Stand der Arbeiter und Gewerkschaften (Arbeitsexperte Herbert Jauch), der Fall Ramatex (Volker Winterfeldt, UNAM), „China in Namibia“ (Gregor Dobler, Anthropologe, Basel, Schweiz), die Entstehung der schwarzen Wirtschaftselite (Henning Melber, Politologe, Uppsala, Schweden), die Caprivi-Zipfel unter alter und neuer indirekter Herrschaft (Wolfgang Zeller - Geograph, Helsinki, und Bennett Kangumu Kangumu, Universität Kapstadt, UCT), von anti-kolonialer Propaganda zur „patriotischen Geschichte“ (Christopher Saunders , Historiker an der UCT). Der Buchtitel suggeriert „Wandel und Übergang“ in Namibia, derweil die Autoren durchaus kritisch auf die Frage eingehen, inwiefern es sich um Wandel zum Besseren handelt.
© Paarl Print
Women Journalists in Namibia´s Liberation Struggle 1985 – 1990, Maria Nghidinwa – Medium Englisch, 152 Seiten. Verlag Basler Afrika Bibliographien, 2008. Druck: John Meinert. ISBN: 978-3-905758-07-8.

Die Studie diente zuerst einer Dissertation und untersucht die Erfahrung weiblicher Journalisten während der Konflikte der letzten fünf Jahre vor der Unabhängigkeit 1990. Schwarze wie weiße Journalisten, innerhalb des Landes wie auch im Exil, haben sich für das Unabhängigkeitsideal engagiert. Die Autorin hat ihre Interviews und Aufzeichnungen in den traditionell stark patriarchalisch geprägten Rahmen der ausgehenden kolonialen Epoche gestellt, den die neue Ära politischer Souveränität bis heute – vor allem in den ländlichen Gemeinschaften und den ärmeren Schichten der Gesellschaft – bisher kaum zu ändern vermochte. Nghidinwa hat 13, zum Teil noch aktive, Journalistinnen – darunter Gwen Lister und Rianne Selle - interviewt und strengt sich an, ihre Erkenntnisse mit dem theoretischen Werkzeug des Feminismus aufzuarbeiten.


Journalistinnen – Kampf mit der Feder
 
Women Journalists in Namibia´s Liberation Struggle 1985 – 1990, Maria Nghidinwa – Medium Englisch, 152 Seiten. Verlag Basler Afrika Bibliographien, 2008. Druck: John Meinert. ISBN: 978-3-905758-07-8.

Die Studie diente zuerst einer Dissertation und untersucht die Erfahrung weiblicher Journalisten während der Konflikte der letzten fünf Jahre vor der Unabhängigkeit 1990. Schwarze wie weiße Journalisten, innerhalb des Landes wie auch im Exil, haben sich für das Unabhängigkeitsideal engagiert. Die Autorin hat ihre Interviews und Aufzeichnungen in den traditionell stark patriarchalisch geprägten Rahmen der ausgehenden kolonialen Epoche gestellt, den die neue Ära politischer Souveränität bis heute – vor allem in den ländlichen Gemeinschaften und den ärmeren Schichten der Gesellschaft – bisher kaum zu ändern vermochte. Nghidinwa hat 13, zum Teil noch aktive, Journalistinnen – darunter Gwen Lister und Rianne Selle - interviewt und strengt sich an, ihre Erkenntnisse mit dem theoretischen Werkzeug des Feminismus aufzuarbeiten.

© Klaus Hess Verlag
Grafik zur Frequenz der Motive der Felsmalerei, links, und der Felsgravuren, rechts.

Von der Felskunst bis zur Verstädterung
 
Heritage and Cultures in Modern Namibia – In-depth Views oft he Country – A TUCSIN Festschrift, Cornelia Limpricht & Megan Biesele – Medium Englisch, 200 Seiten. Klaus Hess Verlag, Windhoek, Göttingen 2008. ISBN Namibia 978-99916-57-27-1. ISBN Europa: 978-3933117-39-7.
Das progressive Bildungswerk TUCSIN (The University Centre for Studies in Namibia ) hat 2008 sein 30-jähriges Bestehen gefeiert, aber den Anlass nicht allein mit einer Jubiläumsfeier begangen, sondern lenkt mit der Festschrift den Blick auf die wertvolle Zusammenarbeit mit internationalen Wissenschaftlern, die sich intensiv mit namibischen Themen befasst haben. Wer mehr über den institutionellen Werdegang von TUCSIN erfahren möchte, entnimmt dies einer getrennten Broschüre.
Die Festschrift enthält einen wertvollen Querschnitt der Forschungsprojekte ausländischer Wissenschaftler in Verbindung mit TUCSIN. Die Beiträge von 17 Autoren umfassen eine Zeitspanne von über zehn Millionen Jahren und decken ein breites Spektrum an Themen ab, deren Erkenntnisse teils universelle Bedeutung haben. Es geht um Evolution und Erbe, um Völkerkunde (Demographie) und Landnutzung, Migration und Aspekte der Entwicklung sowie um Traditionspflege in der Moderne. So fassen die Autorinnen Limpricht und Biesele den Inhalt zusammen. Abgesehen von sensationellen archäologischen, sozialen und ethnologischen Erkenntnissen der Publikation erhoffen sich die Herausgeber daraus einen Anreiz für namibische Wissenschaftler, sich selbst in den vielen, oft brach liegenden, Bereichen einzubringen, die fast exklusiv - oft in Zusammenarbeit mit einheimischen Informanten - von Ausländern bearbeitet werden. Dieses Interesse müsste hauptsächlich aus den noch kaum vorhandenen Forschungsabteilungen namibischer Bildungsstätten kommen, weil die Alltagswerte der Gesellschaft und der Politik derzeit scheinbar nicht über „die Befriedigung des Bauchs“ hinauskommen, wie der politische Analyst Dr. Joseph Diescho es in einer poetischen Tischrede zum TUCSIN-Jubiläum beklagt hat. Die Festschrift belegt dennoch eine verbreitete Überzeugung der Kenner: Namibia bleibt ein faszinierendes Land kultureller und archäologischer Vielfalt und ein besonderer Standort für naturwissenschaftliche und kulturelle Forschung. Die Entdeckung kann mit der Festschrift beginnen.

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