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30.07.2014, Windhoek

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Versäumte Reformen lassen Wirtschaft taumeln

Nachdem die Länder südlich der Sahara noch zwischen 2003 und 2007 im Schnitt um fast 6% pro Jahr gewachsen waren, trifft der Absturz der Rohstoffpreise sie nun vor allem deshalb mit solcher Wucht, weil viele die notwendige Diversifizierung der eigenen Wirtschaft versäumt haben und oft noch immer vom Export eines einzigen Rohstoffs abhängig sind.
Symptomatisch dafür ist der Kongo, der wie sein Nachbar Sambia ganz überwiegend vom Kupfer lebt. Nachdem das Pro-Kopf Einkommen des Landes in den Jahren unter Diktator Mobutu Sese Seko (1965 -1997) um Zwei Drittel auf nur noch 120 US$ im Jahr gefallen war, hatte der jüngste Rohstoffboom vor allem seiner Bergbauprovinz Katanga einen unverhofften Aufschwung beschert. Seit dem Einbruch der Kupfer- und Kobaltpreise befindet sich die Südostprovinz jedoch im freien Fall. Mehr als 60 chinesische Minenunternehmen haben Katanga in den letzten beiden Monaten verlassen. Auch aus dem nahegelegenen sambischen Kupfergürtel sind über 100 chinesische Kleinunternehmer abgezogen. Pekings Präsenz hat sich als wenig dauerhaft und strategisch erwiesen. Vieles deutet darauf hin, dass das Kapitel über die vermeintliche Eroberung Afrikas durch China womöglich neu geschrieben werden muss.
Die Folgen für den Kongo und seine völlig unproduktive Hauptstadt Kinshasa sind schon deshalb gravierend, weil die Rohstoffeinnahmen aus Katanga zuletzt für rund die Hälfte des Staatshaushaltes verantwortlich waren. Nach Ansicht von Greg Mills von der renommierten Johannesburger Brenthurst Foundation könnten die neu entflammten Kämpfe im Ostkongo durchaus in Verbindung mit den kollabierten Rohstoffpreisen stehen. Mills glaubt, dass die Rebellen sehr genau um das düstere wirtschaftliche Szenario wissen - und vermutlich auch deshalb die Truppen der schwachen Zentralregierung herausfordern.
Symptomatisch für die veränderte Beziehung Chinas zu Afrika ist aber auch, dass der 5 Mrd. US$ teure Megakontrakt, den Peking im Jahr 2007 mit den Machthabern im Kongo schloss, kaum noch erwähnt wird. Als Gegenleistung für die garantierte Versorgung mit Rohmetallen wollte China dem Kongo laut Vertrag eigentlich dessen komplett marode Infrastruktur modernisieren und die heruntergekommenen Minen rehabilitieren.
In Sambia ist die Lage ähnlich dramatisch: Nachdem der Binnenstaat seine abgestürzte Kupferproduktion gerade erst von 200000 auf 600000 Tonnen hinaufgefahren hatte, schließen nun viele Minen wegen der teuren Förderkosten und niedrigen Weltmarktpreise. Zeitgleich ist der Wert der lokalen Kwacha-Währung in nur zwei Monaten um 75% gefallen.
Afrika zahlt nun den Preis dafür, dass es sich auf einen vermeintlichen Super-Zyklus mit dauerhaft hohen Rohstoffpreisen verlassen und darüber in den letzten Jahren die dringend notwendigen Reformen versäumt hat. Auch 50 Jahren nach der Unabhängigkeit leiden fast alle Staaten noch immer unter korrupten Regierungen, schwachen Institutionen, einem extremen Mangel an Fachkräften sowie einer völlig unzureichenden Infrastruktur. Mindestens 30 Länder haben in den letzten Jahren unter extremen Stromengpässen gelitten. Würden alle Staaten ihr Stromnetz auf den Stand der wenigen Musterstaaten wie Mauritius und Botswana bringen, könnte Afrikas Pro-Kopf-Einkommen leicht um zwei bis drei Prozent steigen. Viel wird deshalb von einer reiferen politischen Führung abhängen, und davon, ob die Rohstoffpreise sich schnell erholen.

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14-Jan-2009-08:02

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