Simbabwe „nah am Krisenstatus“ – Mehrere Botschafter schikaniert
Windhoek/Harare – Die Gewaltausbrüche nach den Wahlen in Simbabwe haben in den Augen der Vereinten Nationen mittlerweile nahezu den offiziellen Status einer Krise erreicht. Der UN-Vertreter in Harare, Agustino Zacarias, zeigte sich vor der Presse besorgt über die Gewalt, die zumeist gegen Anhänger der Opposition gerichtet gewesen, aber teils auch von MDC-Unterstützern selbst ausgeübt worden sei. Die Parteien sollten trotz aller politischen Differenzen umgehend solche Angriffe scharf verurteilen, forderte Zacarias.
Derweil bereitet sich Oppositionsführer Morgan Tsvangirai auf seine Rückkehr nach Simbabwe vor. Er werde gegen Ende der Woche eintreffen, hieß es. Die USA forderten die Regierung von Robert Mugabe auf, die Sicherheit Tsvangirais zu garantieren. Am Sonntag steht bereits eine Wahlkampfveranstaltung an. Tsvangirai, derzeit in Lesotho, machte gestern weitere Zugeständnisse für den Fall einer Stichwahl. Hatte er zuvor im Rahmen von zahlreichen Forderungen als Voraussetzung für seine Teilnahme unter anderem internationale Beobachter gefordert, werde er sich auch mit Vertretern nur aus der SADC zufrieden geben.
In Simbabwe spielte gestern erneut der Staat seine Macht aus: Ein Konvoi bestehend aus mehreren Botschaftern, darunter die Vertreter von Großbritannien und den USA, wurde auf einer Tour durch Krankenhäuser und ein angebliches Folter-Camp, wo sie Opfer der Staatsgewalt besuchen wollten, mehrfach gestoppt. Zunächst wurde ein nicht genehmigter Besuch eines Krankenhauses untersagt, als die Gruppe das Gelände wieder verlassen wurde, hatten Bewaffnete die Tore versperrt. US-Botschafter James McGee öffnete diese später selbst. Auf dem Rückweg nach Harare wurde die Kolonne über eine Stunde festgehalten. Trotzdem sei die Tour wichtig gewesen: „Es wird Zeit, dass die Welt sieht, was hier in Simbabwe geschieht“, so McGee.