Soldaten auf Beutezug – Cholera grassiert weiter – Kritik am Tribunal
Windhoek/Harare –Simbabwe steht offenbar vor dem totalen Kollaps: Gestern ist ein Einsatz von Soldaten gegen Schwarzmarkthändler in eine wilde Plünderei von Geschäften ausgeartet. Die aufgebrachten Armeeangehörigen räumten zahlreiche Regale leer und konnten erst von der Polizei gestoppt werden, die gleichzeitig auch Tränengas auf Zivilisten abfeuerte die ihrerseits mit Steinen nach den Soldaten geworfen hatten.
Die illegalen Schwarzmarkthändler haben allerdings von Tag zu Tag mehr Zulauf. Nachdem die Hauptstadt Harare gestern für den zweiten Tag in Folge ohne Wasser war, wurden auf dem Schwarzmarkt 25-Liter-Kanister für 25 US-Dollar verkauft. Zahlreiche Arbeitnehmer blieben ihren Arbeitsstellen fern, auch in Krankenhäusern. Dort verschlechtert sich die Situation im Stundentakt. Die Zahl der Toten durch den Cholera-Ausbruch ist mittlerweile laut Weltgesundheitsorganisation auf fast 500 gestiegen, eine Eindämmung ist nicht in Sicht.
Derweil bewegt das Urteil des SADC-Tribunals zugunsten von 79 weißen Farmern noch immer die Gemüter. Nachdem die Mugabe-Regierung erklärt hatte, die Entscheidung nicht zu akzeptieren, nannte Farai Mutamangira, Anwalt von umgesiedelten Neufarmern, das Urteil jetzt „schockierend“. Dem Gericht mangele es an Verständnis für die Landreform und deren Bedeutung in Simbabwe. „Es hätte hunderte Gründe gegeben, um für die umgesiedelten Neufarmer, die Begünstigten der Landreform, zu urteilen. Das Gericht hat sich aber vorsätzlich dagegen entschieden“, moserte Mutamangira, der gleichzeitig Sinn und Berechtigung des Tribunals in Frage stellte.