Die heutige Titelseite

 

Newsletter


Regen in Namibia

 

Vom 20.10.2008

Südafrikas Finanzsektor trotzt internationaler Krise

Johann Rupert ist ein Mann der klaren Worte. Der Chef der Luxusgütergruppe
Richemont und reichste Mann Südafrikas glaubt den Grund zu kennen, der sein
Land bislang vor den direkten Auswirkungen der globalen Finanzkrise bewahrt
hat: seine Kapitalexportkontrollen. „Wir können sicher sein, dass auch
Südafrikas Finanzgenies auf der Jagd nach mehr Rendite in die amerikanische
Subprime-Party eingestiegen wären, wenn sie denn gedurft hätten“ resümierte
Rupert letzte Woche auf einem Aktionärstreffen. Gleichwohl ändere dies
nichts an seinen grundsätzlichen Bedenken gegenüber solchen Kontrollen.

Dass Südafrika sich heute trotz des jüngsten Absturzes seiner Währung in
einer vergleichsweise guten Lage befindet und nach Ansicht des
Internationalen Währungsfonds (IWF) auch im nächsten Jahr noch um rund 3%
wachsen sollte, verdankt es Rupert zufolge seinem pragmatischen
Finanzminister und der Notenbank des Landes. Beide haben in engem
Zusammenspiel die Devisenkontrollen aus der Apartheidzeit zwar graduell
gelockert, aber nie gänzlich abgeschafft. Dies hat zur Folge, dass
Südafrikas Finanzsektor praktisch gar nicht in den toxischen US-Anlagemüll
verstrickt ist - und im Gegensatz zur amerikanischen oder europäischen
Konkurrenz über eine anhaltend hohe Liquidität verfügt.

Südafrika hatte seine Devisenbeschränkungen eingeführt,
um eine massive Kapitalflucht in Krisenzeiten zu verhindern. Im Rahmen ihrer
Lockerung wurden in den letzten Jahren zwar die Beträge erhöht, die
Einzelpersonen aus dem Land ausführen dürfen. Gleichzeitig wurden für
Geldanlagen institutioneller Anleger im Ausland jedoch strikte Obergrenzen
gesetzt.

Obwohl Rupert überzeugt ist, dass Südafrika das beispiellose Beben an der
Wall Street fortan stärker zu spüren bekommt, scheint die Finanzierung
wichtiger Projekte wie der Ausbau der Infrastruktur für die Fußball WM
2010 nicht gefährdet zu sein, zumal der Löwenanteil des Geldes vom Staat
selber kommt. Und der schwimmt nach dem Rohstoffboom der letzten Jahren in
solch hohen Steuereinnahmen, dass die Regierung am Kap im letzten Jahr
erstmals einen Haushaltsüberschuss erwirtschaftete.

Als Vorteil erweist sich zudem, dass Südafrikas Banken nur rund 5% ihrer
Gelder auf dem internationalen Markt aufnehmen. Zudem ist der
Unternehmenssektor am Kap, der während des jüngsten Rohstoffbooms seine
Kriegskassen gefüllt hat, nur moderat verschuldet.

Finanzierung der WM 2010 nicht gefährdet
 
Gleichwohl sind sich Beobachter wie Rupert und auch Gouws darin einig, dass
Südafrika inzwischen viel zu stark in die Weltwirtschaft integriert ist, als
dass es als Rohstoffexporteur nicht zumindest indirekt in den Sog der
globalen Finanzkrise geraten würde. Ein deutlicher Hinweis darauf ist der
Absturz der lokalen Randwährung zur Wochenmitte. Binnen weniger Stunden
stürzte der Rand um mehr als 15% gegenüber Dollar und Euro – mehr
als je zuvor an einem einzigen Tag. Am Freitag kam es dann wegen der
überzogenen Reaktion zu einer leichten Konsolidierung.

Der plötzliche Absturz wird gemeinhin als eine direkte Folge der von der
Finanzmarktkrise geschürten Anlegerpanik betrachtet, zumal auch die
Währungen in Ungarn, Island, Australien und der Türkei zeitgleich Federn
ließen. Viel internationales Kapital flieht derzeit in die vermeintliche
Sicherheit der eigenen Heimatmärkte. Zusammen mit der zunehmenden
politischen Unsicherheit am Kap erklärt dies, weshalb der Rand in diesem
Jahr mehr als 30% zum Dollar und über 20% gegenüber dem Euro
verloren hat. Hinzu kommt die Sorge, dass sich Südafrikas Rohstoffexporte
stark reduzieren.

Die Achillesverse des Landes ist und bleibt dabei vor allem seine
hochdefizitäre Leistungsbilanz. Der Grund für die große Lücke liegt darin,
dass Südafrika viel mehr importiert als exportiert. Verantwortlich dafür ist
wiederum ein ehrgeiziges Infrastrukturprogramm aber auch der jahrelange
Konsumrausch der neuen (vor allem schwarzen) Mittelklasse. Bislang war
dieses Defizit stets von ausländischen Zuflüssen gedeckt worden. Seit der
Finanzkrise ist dies jedoch nicht länger der Fall.

Viele Beobachter rechnen schon deshalb damit, dass der Rand auf absehbare
Zeit unter Druck bleiben wird. Angesichts der diesmal jedoch von außen ins
Land getragenen Währungskrise hofft Südafrika einen ähnlich schweren
Randabsturz wie Ende 2001 abwenden zu können. Damals hatte die Lokalwährung
binnen weniger Tage fast 50% an Wert verloren, um sich dann im Zuge des
Rohstoffbooms stark zu erholen.
Archiv


Wetter

Air Berlin

 

EES GANZ PRIVAT

 

Simbabwe

 

Südafrika

 

Air Namibia