Wie tragisch kann das Leben eigentlich sein? Eine Frage, die sich wohl auch Simbabwes Premierminister Morgan Tsvangirai momentan immer wieder stellen wird. Bei einem schweren Verkehrsunfall verliert er am Freitag seine Frau Susan, die Mutter seiner sechs Kinder, nach rund 31 Ehejahren – und das in einer Zeit, in der politischer Druck wie wohl nie zuvor auf dem Mann lastet, der heute seinen 57. Geburtstag feiert. Alleine.
Vielleicht stellt sich auch Morgan Tsvangirai noch andere Fragen, so wie viele Parteifreunde und Beobachter. Wie konnte es zu diesem Unfall kommen? Warum wurde die Kolonne auf dem Weg nach Buhera nicht von einer Polizeieskorte begleitet? Warum gibt es keine Bremsspuren des LKW auf der Straße? Warum wurde der Truck so schnell vom Unfallort entfernt? Warum wurden Fotografen an der Unfallstelle festgehalten und ihre Kameras beschlagnahmt? Woran starb Susan Tsvangirai tatsächlich? Warum schon wieder ein MDC-Todesopfer bei einem Unfall mit einem LKW? War der Unfall vielleicht gar nicht so normal wie er aussehen soll? Ein Anschlag?
Viele dieser Fragen werden wohl unbeantwortet bleiben, egal, wie viele Untersuchungen durchgeführt werden. In Simbabwe kommt immer nur das ans Licht, was ans Licht kommen soll. Zwar ist fast jeder aus Tsvangirais Umfeld überzeugt, dass das Unglück von Freitag ein weiterer Mordanschlag auf den MDC-Chef war, der bereits vier solcher Versuche überlebt hat, allerdings wird das schwer zu beweisen sein. Wenn es ein Anschlag war, ist er gut getarnt: Der LKW gehört einer britisch-amerikanischen Hilfsorganisation, auch wenn der Fahrer Simbabwer war. Die Straße, auf der das Unglück geschah, ist ein Schlachtfeld: Unzählige Schlaglöcher, fast Krater, erfordern ständiges Auswichen – und das kann schnell zum Schleudern führen.
Wahrscheinlich wird herauskommen, dass es ein tragischer Unfall war. Die Fragen, Zweifel und Gerüchte werden bleiben. Und wenn es nur ein Unglück war, dann hat das Schicksal allen verbitterten Tsvangirai-Gegnern auf makabere Weise in die Hände gespielt. Der Premierminister ist geschwächt, vielleicht sogar gebrochen. Diesen Schlag, aus welcher Richtung auch immer er kam, zu verdauen, wird Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, die Simbabwe eigentlich nicht hat. Tragisch.