Erste Panne nach historischer Machtteilung in Simbabwe: Offenbar Uneinigkeit in ZANU (PF)
Windhoek/Harare – Einen Tag nach der historischen Unterzeichnung des Machtteilungsabkommens zwischen ZANU (PF) und der MDC sind gestern schon erste Probleme aufgetreten: Geplante Gespräche über die Regierungsbildung wurden „wegen unvorhersehbarer Umstände“ kurzfristig auf heute verschoben. Angeblich herrscht bei der ZANU (PF) von Robert Mugabe Uneinigkeit, welche der bisherigen Minister in der Regierung verbleiben dürfen.
Beschlossen ist, dass die ZANU(PF) 15 Ministerien bekommt, 13 entfallen auf die MDC von Premierminister Morgan Tsvangirai, die übrigen drei gehen an die MDC-Splitterfraktion von Arthur Mutambara, der einer von zwei stellvertretenden Ministerpräsidenten wird. Die Parteien wollen heute zudem die vereinbarte Änderung der Verfassung diskutieren, in der unter anderem die Schaffung des Premierministerpostens festgeschrieben werden muss.
Weltweit herrschte auch gestern weiterhin Zurückhaltung bei Politik, Medien und Ökonomen zum Machtteilungsabkommen, das zusätzlich vorsieht, von der früheren Kolonialmacht Großbritannien Entschädigungen für Landnahme zu fordern.
Nach der Europäischen Union erklärte gestern auch Australien, seine relativ harten Sanktionen zunächst unverändert gelten zu lassen, bis man Fortschritte sehe. Namibias Präsident Hifikepunye Pohamba hatte nach seiner Rückkehr aus Harare die sofortige Aufhebung aller Sanktionen gegen Simbabwe gefordert.
Beobachter befürchten indes, dass die Machtteilung zunächst kaum Besserung für das Volk und die Wirtschaft bringt, die seit 1998 um 65 Prozent geschrumpft ist. Laut Anthony Hawkins, Professor an der Universität Harare, könnte die Wirtschaft zwar ab 2009 mit ausländischer Hilfe wieder langsam wachsen; um auf den Stand der 80er oder 90er Jahre zurückzukommen, „brauchen wir noch zehn bis 15 Jahre“.