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Vom  6.01.2009

Maria Ramos: Geheimnisvoll, hartnäckig, erfolgreich

Ihr Privatleben ist ein Buch mit sieben Siegeln. Im offiziellen Lebenslauf ihres letzten Arbeitgebers findet sich jedenfalls keine einzige Zeile dazu. Doch als Maria Ramos am Wochenende nach Weihnachten heiratete, überschlug sich neben der südafrikanischen Regenbogen- auch die Finanzpresse, weil Ehemann Trevor Manuel Finanzminister des Landes ist. Zwar war die Liaison seit Jahren bekannt, doch hatten sich beide nur selten gemeinsam in der Öffentlichkeit gezeigt und die Verbindung auch nie offiziell bestätigt.
Kurz zuvor hatte Südafrikas mächtigste Geschäftsfrau für Schlagzeilen beruflicher Art gesorgt – diesmal mit ihrem plötzlichen Wechsel vom Transportriesen Transnet an die Spitze der Absa-Bank, Südafrikas zweitgrößtem Finanzinstitut. Während Beobachter sich noch den Kopf über die Hintergründe zerbrachen, orakelte der Business Day, Ramos sehne sich nach einem weniger hektischen Leben. Zwar sei die Führung einer großen Bank kein Zuckerschlecken. Doch verglichen mit dem politischen Minenfeld beim staatlichen Ungetüm Transnet sei die neue Aufgabe ein Traum, glaubte die führende Wirtschaftszeitung am Kap.
In der Tat hat Ramos neben einem dicken Fell viel Fingerspitzengefühl zeigen müssen, um den von einer sperrigen Bürokratie gelähmten Transportkonzern in den letzten vier Jahren wieder in Fahrt zu bringen. Zumindest nach südafrikanischem Maßstab ist das Unternehmen mit seinen rund 70000 Angestellten ein Gigant. Fast nichts bewegt sich am Kap, ohne dass Transnet daran beteiligt wäre: das Unternehmen betreibt fast alle Güter- und Passagierzüge, transportiert Benzin und Kohle und kontrolliert auch Südafrikas Häfen.
Gegen alle Widerstände war Ramos Transnets Umkehrstrategie gelungen: Unter ihrer harten Hand drückte das Unternehmen seine Schuldenlast bis es wieder schwarze Zahlen schrieb. „Ich bin immer eine Problemlöserin und ziemlich hartnäckig gewesen", sagt Ramos, die Freunde als Adrenalinjunkie beschreiben.
Die Feuertaufe für ihren heutigen Job absolvierte sie zwischen 1995 und 2004 im Finanzministerium. Dort nahm die 49-Jährige entscheidenden Einfluss auf die Finanzpolitik des Landes - zunächst als Vizedirektorin, ab 1996 als Chefin. Zusammen mit ihrem heutigen Ehemann, der seit 1996 Südafrikas Finanzminister ist, entwarf sie damals die monetären Richtlinien, die dabei halfen, dass die skeptischen Finanzmärkte Zutrauen zur neuen Regierung fassten.
Leicht war der Umbau nicht. „Ich war die erste Frau, die damals ins Finanzministerium spazierte", erinnert sich Ramos. „Zuvor arbeiteten dort nur weiße Männer, die eine feste Routine kannten. Viele konnten nicht glauben, plötzlich Anweisungen von einer Frau zu erhalten."
Dass ihr Wechsel zu Transnet Anfang 2004 dennoch keine Lücke riss, lag nicht zuletzt daran, dass Ramos bei jedem Job ein starkes Team um sich schart. „Führungsstärke bedeutet, sich mit klugen Leuten zu umgeben", sagt sie. „Dazu kommt eine Bereitschaft, harte Entscheidungen zu fällen und nicht schnell einzuknicken".
Ihre Beharrlichkeit erklären Insider mit der einfachen Herkunft. 1959 wird Ramos als älteste von vier Schwestern in Lissabon geboren. Ihr Vater ist Maurer. Die Familie wandert Mitte der sechziger Jahre in die südafrikanische Kleinstadt Vereeniging bei Johannesburg aus, wo es schnell bergauf geht: Die drei Schwestern sind heute Bankerin, Ärztin und Geologin. „Meine Eltern haben uns frühzeitig eingeschärft, so selbstständig wie möglich zu sein", sagt Ramos.
Da sie wegen Geldmangels zunächst nicht studieren kann, beginnt sie mit 19 bei Barclays in Johannesburg eine Banklehre. Später erhält sie ein Stipendium und studiert ab 1984 Wirtschaft an der Universität Witwatersrand in Johannesburg. In Südafrika liegt die Apartheid in den letzten Zügen. Ohne sich politisch besonders zu engagieren, kommt sie an der Universität mit Anhängern des damals noch verbotenen Afrikanischen Nationalkongress (ANC) in Kontakt. Dank ihrer Finanzerfahrung wird sie nach der Wiederzulassung von der früheren Widerstandsbewegung engagiert, um deren Wirtschaftsabteilung aufzubauen. Danach arbeitet sie im Finanzministerium.
Enge Freunde beschreiben Ramos als eine ruhige, ernsthafte Frau. Kollegen loben sie für ihren Teamgeist. Allgemein gilt sie als Workaholic, der nicht selten zwei Taschen Arbeit mit nach Hause schleppt und nur vier Stunden Schlaf braucht. Über ihr Privatleben hat sie bis vor kurzem beharrlich geschwiegen. Die Ehe mit dem Finanzminister hat nun jedoch zu Vorwürfen eines Interessenskonflikts im neuen Job geführt.
Ihr Aufstieg in die höchsten Ränge der Wirtschaft am Kap bescherte Ramos im „Fortune“-Magazin Platz 14 auf der Liste der weltweit mächtigsten Frauen. Eine märchenhafte Karriere für eine Immigrantentochter, die aus einer Arbeiterfamilie stammt und ihren Berufsweg einst an einem Bankschalter von Barclays begann. Mit dem neuen Job schließt sich der Kreis: Barclays ist heute Mehrheitsaktionär bei Absa – und Ramos somit ab Anfang März Chefin der südafrikanischen Dependence einer Bank, bei der sie vor 30 Jahren ihre ersten Sporen verdiente.
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