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Vom 23.09.2008

Mann des Übergangs oder mehr?

Schneller als jetzt in Südafrika kann ein Königsmord eigentlich nicht vonstatten gehen. Kaum 48 Stunden nach der Entmachtung von Staatspräsident Thabo Mbeki durch die eigene Partei präsentierte der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) am Montag bereits seinen Nachfolger: den stellvertretenden Parteivorsitzenden Kgalema Motlanthe.

Allerdings wird Motlanthe das höchste Staatsamt nur für die Übergangszeit bis zur nächsten Wahl bekleiden, die bis spätestens zum Juli 2009 erfolgen muss. Dass das vom ANC dominierte Parlament Motlanthe wahrscheinlich schon in dieser Woche zum Interimspräsidenten küren wird, gilt als sicher. Möglich ist dies, weil Mbeki am Sonntag seinen Rücktritt einreichte und seiner Entmachtung keine weiteren Steine in den Weg legt.

Motlanthe selbst gilt als Mann des Ausgleichs. Dem langjährigen Generalsekretär des ANC wird ein hohes organisatorisches Geschick aber auch ein Talent als Schlichter nachgesagt – Fähigkeiten, die er gerade jetzt gut gebrauchen kann, um den ANC nach dem erbitterten Machtkampf zwischen Zuma und Mbeki neu zu vereinen. Trotz Motlanthes steter Suche nach Konsens erhofft sich der linke Flügel des ANC von dem ehemaligen Gewerkschaftsführer und hochrangigen Mitglied der Kommunistischen Partei eine bessere Durchsetzung der Forderung nach einer populistischeren Wirtschaftspolitik. Bislang hat Motlanthe sich jedoch mit Erfolg gegen Forderungen gewehrt, die er als überzogen und damit als gefährlich für das Land betrachtet. Schon zu seiner Zeit als Gewerkschaftsführer wurde er deshalb von den Arbeitgebern am Kap als pragmatisch und balanciert gelobt.

Motlanthe war es auch, der Südafrikas Geschäftswelt in den letzten Monaten immer wieder versicherte, dass der ANC auch unter Zuma keine radikalen Wirtschaftsexperimente plane. Ein Indiz dafür, dass er es ehrlich meint, findet sich darin, dass der Sozialdemokrat die eher konservative Wirtschaftspolitik des ANC unter Mbeki stets mittrug. Seine Konsistenz brachte ihm derart großen Respekt ein, dass Motlanthe bis zuletzt als möglicher Kompromisskandidat zwischen dem linken und rechten ANC-Flügel geahndet wurde. Sollte der designierte Präsident Jacob Zuma sein Amt im nächsten Jahr nicht antreten, könnte deshalb aus dem Mann des Übergangs durchaus ein „richtiger" Präsident werden.

Zuvor wird der 59-jährige Familienvater mit dem kleinen Kinnbart und den runden Brillengläsern jedoch eine Partei aussöhnen müssen, die sich schwer zerschlissen und darüber das mühselige Tagesgeschäft vergessen hat. Seine guten Referenzen aus dem Widerstandskampf dürften Motlanthe dabei zugute kommen: Zwischen 1976 und 1987 saß er auf der Sträflingsinsel Robben Island ein, fünf Jahre davon mit Nelson Mandela. Seinen Wissenshunger stillte der Sohn eines Büroboten und einer Wäscherin durch ein Fernstudium an der Universität von Südafrika. „Ohne eine gute Kenntnis der Finanzwelt“, sagt er, „könnte ich mein Ziel nach größerer sozialer Gerechtigkeit nie umsetzen".

Wie sehr ihm neben der Aussöhnung der Partei auch an der des Landes gelegen ist, zeigte sein jüngster Auftritt an der Universität von Stellenbosch, der Kaderschmiede des Burentums. Zur Verblüffung der Zuhörer sprach Motlanthe dort ganz offen davon, künftig mehr Weiße für die von Mbeki viel zu schnell umgekrempelte und nun sehr ineffiziente Staatsverwaltung anwerben zu wollen. Unter Mbeki wäre allein schon ein solcher Gedanke ketzerisch gewesen.
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