Es ist vollbracht. Nach über fünf Monaten Stillstand und siebenwöchigen erbitterten Verhandlungen steht das Machtteilungsabkommen für Simbabwe. Ein Grund zum Jubeln? Wohl kaum! Natürlich ist diese Einigung zunächst einmal ein Schritt aus dem erdrückenden Stillstand. Aber ein Schritt muss nicht zwangsläufig zum Ziel führen, sondern kann auch der fatale letzte in einen Abgrund sein.
Erst heute werden wir und die Simbabwer erfahren, was genau sich hinter diesem Vertragswerk verbirgt. Welche Partei bekommt welches Ministerium? Wer hat wie viel Macht? Aber die viel wichtigeren Fragen müssen in den nächsten Wochen dringend beantwortet werden: Wie kann die Wirtschaft wiederbelebt werden? Was tun gegen die Arbeitslosigkeit? Was wird aus der Landreform?
Ein Abkommen ist gut und schön, aber es löst noch keine Probleme: Angesichts einer unvorstellbaren Inflation von rund 11,3 Mio. Prozent sind ernsthafte Zweifel angebracht, ob es überhaupt noch Rettung gibt. Es fehlt an Kapital, die Produktion, beispielsweise der hoch rentable Tabakanbau und die Landwirtschaft insgesamt, liegt am Boden, auch aufgrund der rassistischen Landreform von Mugabe. Wie wird jetzt mit der gewaltsamen Vertreibung weißer Farmer umgegangen?
Ein Machtteilungsabkommen schafft auch keine neuen Arbeitsplätze, die angesichts einer Arbeitslosenquote von mindestens 80% so dringend nötig wären – viel schlimmer noch: Eine Regierung, in der der verhasste und gefürchtete Robert Mugabe noch immer an den Strippen ziehen darf, wird kaum die Millionen geflohenen Simbabwer ins Land zurücklocken, die beim Wiederaufbau helfen könnten.
Genau hier liegt der Schwachpunkt des Machtteilungsabkommens: Die Simbabwer wollten Mugabe loswerden. Die Wirtschaft muss Mugabe loswerden. Doch der alte Mann hat sich krampfhaft und teils gewaltsam an der Macht gehalten. Das schafft wohl kaum Vertrauen bei der Bevölkerung und bei potenziellen Investoren. Die Geschichte hat zu oft bewiesen: Es funktioniert nicht, den Bösewicht durch Einbindung zu läutern – siehe Hitler in der Weimarer Republik.
Und so könnte das Abkommen am Ende nur eines gewesen sein: Ein Persilschein für Mugabe – und damit die Fortsetzung seiner Gewaltherrschaft, des wirtschaftlichen Niedergangs und des Leids in der Bevölkerung.