Wo einst der schlammige Mupfure floss, wirbelt heute ein heißer Wind Staub durch die Luft. Der kleine Fluss, der sich durch den Busch von Zentral-Simbabwe windet, ist an einigen Stellen zum Rinnsal geworden, an anderen verschwindet er ganz im Untergrund. Auf den Feldern entlang des Ufers herrscht ungewohnte Stille. Nirgendwo sind Landarbeiter zu sehen. Soweit das Auge reicht, sieht man unbebaute Felder und wucherndes Unkraut.
Gemäß der offiziellen Regierungspolitik will das Regime von Robert Mugabe im Zuge seiner chaotischen „Landreform“ angeblich schwarze Kleinbauern auf dem Land der weißen Farmer ansiedeln. Ein Blick auf die von ihm beschlagnahmten Höfe macht jedoch deutlich, dass dies nicht stimmt: Statt bedürftiger Kleinbauern haben vor allem Parteibonzen und andere Günstlinge des Diktators die Farmen übernommen – und produzieren dort zumeist überhaupt nichts. „Früher waren wir hinter Südafrika der Brotkorb der Region. Heute haben wir nicht einmal mehr die Notreserven an Lebensmitteln, um eine Hungersnot abzuwenden“, klagt Eddie Cross, der Wirtschaftssprecher der oppositionellen Bewegung für einen demokratischen Wandel. Alle Warnungen der Farmer sind ungehört verhallt.
Seit Beginn des Amoklaufs von Robert Mugabe vor acht Jahren leidet Simbabwe unter einer Hungerkrise. Anders als in den meisten anderen Staaten der Region ist die Krise hier ausschließlich hausgemacht. Selbst eine Reihe von Ministern hat inzwischen hinter vorgehaltener Hand eingeräumt, dass bei der gewaltsamen Landumverteilung in den letzten Jahren „Fehler“ unterlaufen seien. Im Zuge des von Mugabe offiziell sanktionierten Landraubs sind über 4000 der einst 4500 weißen Großfarmer gewaltsam von ihren Höfen vertrieben und ganz überwiegend an Menschen verteilt worden, die weder über das Wissen noch die Geräte oder den Dünger für eine erfolgreiche Bewirtschaftung verfügen.
Heute brauchen deshalb nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) rund vier Millionen Simbabwer dringend Hilfe. Erst vor einiger Zeit hatte die WFP gewarnt, dass weite Teile Afrikas, vor allem der Süden, von einem gefährlichen Mix aus Hunger, Armut, schwachen Regierungen und Aids geplagt würden, der die Gesellschaften destabilisiere.
Das frühere Entwicklungsmodell Simbabwe ist ein extremer Fall - und steht dennoch in vieler Hinsicht stellvertretend für Afrika. Ob Sudan, Somalia, Angola, Kongo oder die Elfenbeinküste – das Antlitz des Kontinents besteht mehrheitlich aus Diktatur, extremer Armut und wirtschaftlicher Stagnation. Es hat sich als fatal erwiesen, dass Lebensmittel nach dem Abzug der Weißen aus vielen Ländern nun ganz überwiegend von Farmern angebaut werden ,die fast nur für den Eigenbedarf produzieren – und obendrein keine Bewässerungsanlagen haben. Viele sind somit ganz auf das Eintreffen des Regens zur richtigen Zeit angewiesen. Schlechte Straßen erschweren zudem den Transport der Lebensmittel. Ohne echte Vermarktungskanäle können die Farmer ihre ohnehin sehr kleinen Überschüsse nur in der direkten Nachbarschaft verkaufen. So hungern zum Beispiel weite Teile im Süden von Mosambik selbst dann, wenn der Norden eine gute Ernte hat.