Robert Mugabe wird als einer der großen Gewinner in die Annalen des Jahres 2008 eingehen: Der 84-Jährige hat nach moralischen Grundsätze alles falsch und in der Realität offensichtlich alles richtig gemacht: Erst verliert er die Wahl und gewinnt sie dann doch, sein blutrünstiger Feldzug an die Macht bleibt ungesühnt und jetzt hat er dank großer Brüder sogar die Vereinten Nationen in die Knie gezwungen. Nach dem Veto von China und Russland im Weltsicherheitsrat gegen von den USA geforderte Sanktionen muss sich Mugabe schon fast unsterblich vorkommen.
Zugegeben: Das Veto überrascht nicht wirklich. China und Russland lieben es aus Prinzip, den USA und Großbritannien eins auszuwischen. China scheint ohnehin ein hoffnungsloser Fall zu sein, der nicht nur Waffen nach Simbabwe, sondern, wie jetzt bekannt wurde, auch trotz internationaler Embargos an andere Schurken schickt – so geschehen in der sudanesischen Provinz Darfur. Dass sich aber Russland mit dem Diktator gemein macht, war gerade nach dem G8-Gipfel in Japan nicht zu erwarten. Dort hatte der neue Präsident Medwedew noch durch frischen Wind und Zustimmung für eine härtere Gangart gegen Simbabwe Sympathien eingeheimst.
Das Veto muss ein Schlag ins Gesicht der Simbabwer sein. Beide Staaten hatten erklärt, der Zustand in Simbabwe sei noch keine regionale Krise. Wenn Staatsgewalt mit Toten, Unterdrückung und vier Millionen Flüchtlinge keine Krise machen, was dann? Mit Sanktionen wären die Freiheiten von 14 Regierungskadern beschnitten, aber Millionen Simbabwern zumindest mentale Unterstützung zugesprochen worden.
Mugabe kann also in Zukunft seelenruhig und voller Genugtuung in seinem Präsidentenpalast schlafen. Er hat nicht nur mit Südafrika einen zuverlässigen Partner nebenan, der sogleich das Scheitern der Sanktionen frenetisch bejubelt hat, sondern eben auch solche großen Brüder, die immer wieder Mugabes Kopf aus der Schlinge ziehen werden und die Vereinten Nationen zur Lachnummer gemacht haben. Und die UN waren wohl das einzige Gremium, dessen Sanktionen überhaupt irgendeine Bedeutung gehabt hätten. Diese Gefahr ist gebannt – und mit möglichen Zwangsmaßnahmen anderer Staatengemeinschaften wie EU und AU wird sich Mugabe sowieso wie immer nur das Gesäß reinigen.