Startseite

01.10.2014, Windhoek

Wetter

Strand Hotel Swakopmund

Sie sind hier

Das Kap wählt, die Wirtschaft dümpelt

Es ist ein schöner Sommertag auf dem Highveld: Zehntausende von Anhängern des Afrikanischen Nationalkongress (ANC) sind gestern Morgen in die Innenstadt von Johannesburg gekommen, um Jacob Zuma auf der letzten großen Kundgebung seines ANC vor der Wahl am Mittwoch zu feiern. Denn niemand zweifelt hier daran, dass die Regierungspartei auch diese Wahl deutlich gewinnen, genau so wie sie schon dreimal zuvor getan hat - und Zuma als ihr Spitzenkandidat neuer Präsident von Südafrika wird.
Noch größer wird der Jubel als die Menschen erkennen, wer in in dem kleinen Golfwägelchen neben Zuma ins Ellis Park-Stadion einfährt. Es ist Nelson Mandela. Der 90-Jährige trägt ein ANC-T-Shirt - Beweis dafür, dass die Ikone des Freiheitskampfes den ANC trotz dessen zahllosen Skandalen noch immer unterstützt. 200 Millionen Rand hat sich der ANC den kurzen Wahlkampf kosten lassen - eine enorme Summe angesichts der tiefen Armut im Land und der düsteren wirtschaftlichen Lage.
Gerade erst ist die Wirtschaft am Kap in die Rezession geglitten; die Rohstoffpreise liegen am Boden. Seit ihrem Allzeithoch im Mai 2008 ist die Börse in Johannesburg fast 40 Prozent gefallen - und die Landeswährung Rand hat gegenüber Dollar und Euro ebenfalls kräftig verloren. Kein leichtes Umfeld, in dem sich Zuma zur Wahl stellt. Zeitgleich wird in der bedeutendsten Wirtschaftsnation des afrikanischen Kontinents ein neues Parlament gewählt.
Dass Zumas ANC die Wahl trotz einer enttäuschenden Regierungsbilanz gewinnen wird, steht außer Zweifel. Noch immer wiegt schwer, Südafrika vor 15 Jahren vom Joch der weißen Vorherrschaft befreit zu haben. Von Interesse ist, ob die seit dem Ende der Apartheid allein regierende, Ex-Widerstandsbewegung abermals eine Zweidrittelmehrheit erhält oder unter 60 Prozent fällt. Kritiker befürchten, dass der ANC womöglich eine populistische Umverteilungspolitik verfolgt, zumal Zuma viele Anhänger im Gewerkschaftsbund und der Kommunistischen Partei hat.
Die erste Rezession des Landes seit 1992 kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: 2010 beginnt am Kap mit der Fußball-WM das größte Sportereignis der Welt. Doch statt der ursprünglich erwarteten 900 000 ausländischen Fußball-Fans rechnen Experten mittlerweile nur noch mit der Hälfte. Gestiegen sind dagegen die Baukosten für die Stadien - um das Vierfache auf umgerechnet über eine Milliarde Euro.
Verspätet rächt sich nun, dass Südafrika es in den fetten Jahren des Rohstoffbooms versäumt hat, seine strukturellen Defizite anzugehen, die von der überbordenden Bürokratie über die zwar leicht gefallene aber noch immer viel zu hohe Kriminalität bis zum überregulierten Arbeitsmarkt reichen. Anders als etwa Chile hat das Land am Kap keine Rücklagen aus den üppigen Rohstoffeinnahmen gebildet.
Südafrika zahlt nun aber auch den Preis für den zwar notwendigen aber völlig überstürzten Umbau seiner Gesellschaft. Das ständige Pochen des geschassten Staatschefs Thabo Mbeki auf strengem Rassenproporz und Quoten hat alle wichtigen Institutionen nachhaltig geschwächt. Immer öfter zählt am Kap nicht mehr die Befähigung des Einzelnen, sondern allein die (schwarze) Hautfarbe.
Bei allen Problemen haben sich dem Land aber auch eher unverhofft Chancen eröffnet: So hat die schwache Randwährung Südafrikas Exporte international konkurrenzfähiger gemacht. Ausgerechnet die Wirtschaftsflaute hat zudem die kritische Lage im Stromsektor entspannt, weil die Unternehmen nun weit weniger Elektrizität verbrauchen - und Südafrikas Stromüberschuss von Null dadurch auf fast zehn Prozent gewachsen ist. Doch für sich wird dies nicht reichen. Es liegt nun an Zuma und seiner neuen Regierung, einen Weg aus der Krise zu finden.

Kategorie: 
Artikel senden: 
20-Apr-2009-07:04

Die günstigsten Flüge nach









DIE HEUTIGE TITELSEITE

Ihre Meinung ist gefragt.

Frage der Woche

Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen 2014 werden erstmals elektronische Wahlgeräte zur Stimmabgabe eingesetzt. Die Opposition befürchtet Manipulationsmöglichkeiten, weil kein Kontrollausdruck aller abgegebenen/gespeicherten Stimmen möglich ist. Vertrauen Sie der neuen Wahlmethode?
Drupal theme by pixeljets.com D7 ver.1.1