Simbabwe: Verschleppter Vizeminister in spe jetzt als Terrorist beschuldigt
Windhoek/Harare – Zwei Tage nach seiner Verschleppung ist gestern die Anklage gegen den designierten Vize-Landwirtschaftsminister Roy Bennett abgeschwächt worden. Statt Hochverrat wird dem MDC-Politiker, der heute seinen 52. Geburtstag feiert, jetzt „nur“ noch versuchte Durchführung eines Terroranschlags, Banditentum und Sabotage vorgeworfen. Dass bestätigte ein MDC-Sprecher aus Johannesburg der AZ. Bennett muss heute in Mutare vor Gericht Stellung zur Anklage nehmen, teilte sein Anwalt Trist Maanda jetzt der Nachrichtenagentur AFP mit. Die Polizei unterstellt Bennett demnach Beteiligung an einer Verschwörung, im Rahmen derer ein bewaffneter Anschlag auf eine Fernmeldestation im Osten Harares geplant wurde.
Die MDC verurteilte die Festnahme scharf. „Die Vorwürfe sind politisch motiviert, getrieben von einem rachsüchtigen und boshaften Feldzug gegen Bennet und das simbabwische Volk“, heißt es in einer Stellungnahme.
Roy Bennett war am Freitag gegen 14.20 Uhr am Prince-Charles-Flughafen von Harare aus einer gecharterten Privatmaschine verschleppt worden, in der neben einer MDC-Unterstützergruppe auch eine Journalistin der Allgemeinen Zeitung saß. Erst Stunden später war er in der Polizeistation Mutare, mehr als 300 km östlich von Harare, offiziell angeklagt worden; zunächst wegen illegaler Landflucht, dann wegen Hochverrats. Vor der Wache campieren seitdem mehr als 200 MDC-Unterstützer, um zu verhindern, dass Bennett wie so viele andere Oppositionelle von der Polizei an einen unbekannten Ort verschleppt wird. Der 52-Jährige, der bereits acht Monate in Haft gesessen und sich vor drei Jahren einer Verhaftung wegen versuchtem Putsches von Präsident Robert Mugabe durch Flucht nach Südafrika entzogen hatte, sollte in dieser Woche als Vize-Landwirtschaftsminister vereidigt werden.