Simbabwe: Staat darf gegen Kaution vorgehen – Farce um Freilassung
Windhoek/Harare – Die politische Farce um den Fall Roy Bennett nimmt kein Ende. Seit gestern steht fest: Der designierte Vize-Landwirtschaftsminister Simbabwes muss für mindestens eine weitere Woche in Haft bleiben. Das wurde der AZ aus MDC-Kreisen bestätigt. Grund ist ein Berufungsantrag der Staatsanwaltschaft am Obersten Gerichtshof, mit dem sie gegen eine Entscheidung des Obergerichts vorgehen wollte, das Roy Bennett in der Vorwoche Kaution in Höhe von 2000 US-Dollar gewährt hatte. Der Oberste Gerichtshof genehmigte den Gang in Berufung, eine neue Anhörung findet erst kommende Woche statt, bis dahin bleibt Bennett in Haft. „Das ist ein abgekartetes Spiel“, so die MDC-Quelle im AZ-Gespräch. „Die Politik beherrscht alles – und ein paar Hardliner aus der ZANU (PF) regieren das ganze Land.“
Schon am Vortag hatte sich in Mutare, wo Bennett seit dem 13. Februar wegen Verdachts auf Verschwörung und terroristische Aktivitäten in Haft sitzt, ein wahres Drama abgespielt: Am Morgen hatte das Obergericht in Harare die Freilassung gegen Kaution bestätigt. Als Bennetts Anwälte am Abend dem Magistratsrichter von Mutare das entsprechende Schreiben vorgelegt hatten und ihren Mandanten abholen wollten, verweigerte der Richter zunächst die Zustimmung und verlangte dann ein völlig veraltetes Formular, das im Gericht nicht mehr verfügbar war. Nachdem einer der Anwälte auch dieses aufgetrieben hatte, verschwand ein hochrangiger Polizist damit in der Nacht und kam nie zurück, schilderte ein Augenzeuge der AZ.
Die MDC vermutet, das Bennett als Faustpfand genutzt werden soll. ZANU(PF)-Justizminister Patrick Chinamasa hatte angeboten, ihn umgehend freizulassen, wenn dafür führende Militärs und Geheimdienstler mit einer Amnestie bedacht würden. Bennett hatte dies kategorisch abgelehnt.