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Vom 11.06.2010

WM 2010: Das Fest beginnt!

Heute startet die Fußball-Weltmeisterschaft – Gastgeber ist gut gerüstet

Der Countdown ist vorbei. Heute wird in Südafrika das größte Fußballfest der Welt angepfiffen – zum ersten Mal auf afrikanischem Boden. Trotz Wirtschaftskrise und Besucherzahlen, die weit hinter den Erwartungen liegen, wartet ein ganzes Land voller Ungeduld auf den großen Moment

© Eckhardt Mittendorf
Das Fußballfieber hat auch die Bewohner von Omaruru gepackt, weshalb der 72er VW Käfer der Familie Traupe herhalten musste. Im Finale sollten Hans Traupe und Nicole Löffler (vorne), Marco Mittendorf und Astrid Traupe (links), Stefan Löffler und Heidi Radecke (rechts) sowie Wilko Radecke (im Auto) zufolge Bafana Bafana und Deutschland stehen.

Kapstadt – Mit Stolz trägt man am Kap das knallgelbe Trikot der Kicker, hinter denen sich die Nation nun gesammelt hat. Die Bafanas können den Zuspruch brauchen: In den letzten Jahren sind sie bis auf Rang 83 der FIFA-Weltrangliste abgerutscht und nun krasser Außenseiter. Dennoch sind die Hoffnungen riesengroß, die sich mit dem Team und der WM im eigenen Land verbinden. Alle Probleme soll das Fußballfest auf einmal lösen: die Kriminalität und tiefe Armut, die großen sozialen Unterschiede, die hohe Arbeitslosigkeit und am besten auch die Aids-Epidemie. Die Südafrikaner sind jedenfalls mächtig stolz, dass ab heute die Welt vier Wochen lang auf den Süden Afrikas schaut. Stolz, aber auch etwas ängstlich, weil niemand weiß, was das Land erwartet. Schließlich hat es eine Veranstaltung von der Größe einer Fußball-WM in Afrika noch nie gegeben.

Die vielen Skeptiker sind zwar nicht verstummt, aber leiser geworden. Allen Unkenrufen zum Trotz sind der Schnellzug Gautrain und die Stadien pünktlich fertig geworden – und atemberaubend schön. Vor allem die Arenen in Johannesburg, Kapstadt und Durban sind eine in Stahl und Beton gemeißelte Erklärung der Kaprepublik, sich mit den Veranstaltern früherer Turniere erfolgreich messen zu können.

Es gäbe viele Gründe, sich über die (direkt) in die WM gesteckten 40 Milliarden Rand zu mokieren. Die Frage ist nur, ob sie anderswo effektiver gewesen wären. Bereits jetzt leistet sich Südafrika einen der größten Sozialetats, ohne dass dies den Einwohnern viel nutzen würde, zumal die Regierung ihre eigenen Vorgaben fast nie erfüllt. Über die Hälfte aller Stadtverwaltungen ist inzwischen kollabiert und nicht mehr in der Lage, den Bürgern einfachste Dienstleistungen zu bieten. Im Gegensatz dazu hat der Vorlauf zur WM eindrucksvoll gezeigt, zu welcher Leistung das Land mit einer echten Zusammenarbeit von Staat und Privatsektor fähig ist. Ein neues Image für Südafrika, ja für den ganzen Kontinent – es ist ein ehrgeiziges Ziel.

Wie nie zuvor und wohl auch nie mehr danach wird die Welt nun auf Südafrika schauen – auf seine dunklen Seiten, aber weit mehr auf seine Schönheit, die Energie, seinen Pioniergeist und die vielen Möglichkeiten, die es bietet. Es ist nun an seinen Menschen, die Gelegenheit zu ergreifen. Einige Ausrutscher sind in den nächsten vier Wochen unvermeidlich. Doch das Land freut sich auf einen „fat jol“, auf eine Riesenparty. Die vielen Probleme wird sie allein nicht lösen. Das können nur die Menschen selber. Aber jetzt wird am Kap erst einmal gefeiert.
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