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Vom 12.01.2010

Wie sicher ist die WM – ein Hintergrundbericht

Calvin Jordan hatte es fast geahnt. Schon beim Blick auf das katastrophale Transportsystem in Angola beschlich den Mann, der dort für den WM-Gastgeber Südafrika gerade den Afrika-Cup beobachtet, ein ungutes Gefühl: „Ein chaotisches Turnier in Angola wird garantiert neue Zweifel an der Organisation unserer eigenen WM in Südafrika wecken“, meinte er noch letzte Woche – und lag damit fast goldrichtig.

Mit dem Guerillaangriff auf das Nationalteam von Togo ist Angola nun jedoch in ein noch viel größeres PR-Desaster geschlittert als selbst Jordan erahnen konnte. In der Tat fragt sich nun alle Welt, ob nicht auch in Südafrika ein solcher Vorfall denkbar wäre. Die britische „Daily Mail“ weist in ihrer Online-Ausgabe erneut darauf hin, dass es von vornherein äußerst riskant gewesen sei, den Afrika-Cup in ein früheres Bürgerkriegsland zu vergeben, was in gewisser Weise auch für Südafrika gelte.

Wenn es nach den Organisatoren der WM am Kap geht, sind diese Sorgen natürlich völlig überzogen. Südafrikas stets optimistischer WM-Boss Danny Jordan betont jedenfalls unermüdlich. dass der Anschlag in Angola keine Auswirkungen auf das Fußballfest im Juni am Kap habe. Vor allem verwahrt sich Jordan gegen jene Kritiker, die ganz Afrika gerne in einen Topf werfen: „Niemand fordert, dass wir 2012 keine Olympiade in London abhalten sollen, nur weil dort vor ein paar Jahren Bomben explodierten. Und niemand würde eine WM in Deutschland hinterfragen, nur weil im Kosovo ein Krieg tobt. Wir müssen endlich von dieser Doppelmoral wegkommen“, schäumte der Chef des südafrikanischen Organisationskomitees.

Auch die südafrikanische Regierung lehnt es ausdrücklich ab, die Sicherheitslage in Angola mit der im eigenen Land zu vergleichen. Der stellvertretende Polizeiminister Fikile Mbalula wies gestern nur darauf hin, dass die Sicherheit für die WM 2010 gewährleistet sei: „Wir sind für alles gerüstet und haben die Lage voll im Griff“, sagte er, ohne diese Einschätzung weiter zu begründen.

Richtig ist, dass Südafrika, anders als Angola, derzeit nicht von einer internen Widerstands- oder Sezessionsbewegung konfrontiert ist. In Angola hat sich hingegen gerade der bewaffnete Arm der Befreiungsfront für die Unabhängigkeit von Cabinda (Flec) zu dem Anschlag auf das togolesische Team bekannt – und weitere Aktionen angedroht. Im Gegensatz dazu droht am Kap weder auf dem rechten noch dem linken Spektrum derzeit ein gewalttätiger Aufstand. gegen den regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) um Staatschef Jacob Zuma.

Auch der internationale Terror hat am Kap bislang noch keine tiefen Wurzeln geschlagen. Zwar haben angeblich auch in Südafrika zwischenzeitlich Terroristen aus Somalia und dem Nahen Osten Unterschlupf gesucht, doch ist es in den letzten zehn Jahren zu keinen politisch motivierten Anschlägen gekommen. Eine muslimische Bürgerwehr konnte in Kapstadt in den späten Neunzigerjahre just in dem Moment gestoppt werden als sie zu einer Terrorbewegung mutierte, die am Kap einen islamischen Gottesstaat etablieren wollte.

Sicherheitsexperten wie Johan Burger vom Institute of Security Studies weisen immer wieder darauf hin, dass es einen klaren Unterschied zwischen terroristischen Organisationen auf der einen Seite und der hinlänglich bekannten Kriminalität am Kap auf der anderen Seite gibt. Während Südafrika vom internationalen Terror und Anschlägen wie jetzt in Angola bislang verschont wurde, weist das Land seit Jahren eine der weltweit höchsten Verbrechensraten auf – und hat es bislang nicht geschafft, die Kriminalität in den Griff zu kriegen. So ist die Zahl der Morde in den zwölf Monaten bis März 2009 landesweit zwar um 3% auf mehr als 18000 Fälle leicht gesunken, doch liegt die Anzahl damit pro 100000 Einwohnern zwanzig mal höher als in Deutschland.

Allerdings geschieht der weit überwiegende Teil der Morde in den schwarzen Wohngebieten. Ein Tourist oder Fußballer, der zwischen Stadion, Unterkunft und Strand oder Wildpark pendelt, muss kaum damit rechnen, ein Opfer der Gewalt zu werden. Anders ist die Lage für viele der 47 Mio. Südafrikaner, die sich nicht durchweg in solchen Sicherheitszonen bewegen – und in ihrem Alltag weit stärker mit der Gewalt konfrontiert sind.

Auch wenn in der heutigen Welt ein plötzlicher terroristischer Anschlag nie ausgeschlossen werden kann, ist die Wahrscheinlichkeit eines Terrorakts wie nun in Angola am Kap derzeit dennoch eher gering. Für Südafrika könnte sich das Attentat in Cabinda als Weckruf zur rechten Zeit erweisen. Es dürfte das seit der WM-Auslosung vor vier Wochen ein wenig sorglose Gastgeberland daran erinnern wie schnell ein Terroranschlag ein Turnier ruinieren kann – und damit das Gegenteil dessen bewirkt, was es eigentlich zu erreichen sucht.
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