Auszählung in Simbabwe schleppt – Gleichstand zwischen Regierung und Opposition
Auch fast 48 Stunden nach Schließung der Wahllokale in Simbabwe herrscht völlige Unklarheit über den Ausgang. Während sich Regierung und Opposition offenbar ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, wächst im Land und weltweit die Angst vor Wahlbetrug und gewaltsamer Konfrontation.
Windhoek/Harare/Berlin – Zwei Tage nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen liegen derzeit die regierende ZANU (PF) von Präsident Robert Mugabe und die Bewegung für demokratischen Wandel (MDC) mit Spitzenkandidat Morgan Tsvangirai nach Angaben der Wahlkommission mit jeweils 19 gewonnenen Parlamentssitzen gleichauf. Die Opposition, die aus Misstrauen eine eigene Zählung vornimmt, hatte zuvor bekannt gegeben, sie habe bereits 96 von 128 Wahlkreisen für sich entscheiden können. Fest steht, dass mit Justizminister Patrick Chinamasa ein prominentes Mitglied des Mugabe-Kabinetts seinen Sitz verloren hat, unbestätigten Angaben von Beobachtern zufolge soll fünf weitere Minister das gleiche Schicksal ereilt haben.
Die schleppende Auszählung der Stimmen nährte weltweit den Verdacht, dass Mugabe die Ergebnisse manipulieren lassen könnte, vor allem, nachdem Wahlbeobachter berichtet hatten, dass erste Resultate bereits am Samstagabend vorgelegen hätten. MDC-Generalsekretär Tendai Biti mutmaßte gestern, dass die schleppende Auszählung reine Taktik sei und Mugabe sich mit 52 Prozent der Stimmen zum Wahlsieger erklären lassen wolle. Nach eigenen Erkenntnissen aus 128 von 210 Wahlkreisen komme aber Tsvangirai im Rennen um das Präsidentenamt derzeit auf rund 60 Prozent der Stimmen, 30 Prozent entfielen auf Mugabe, der Rest auf den unabhängig angetretenen Ex-Finanzminister Simba Makoni.
In Berlin verwies CDU/CSU-Fraktionsvize Arnold Vaatz auf eigene Informationen, die ihm gestern telefonisch aus Simbabwe übermittelt worden seien. Nach Auszählung von 155 der 210 Wahldistrikte komme Tsvangirai auf 55, Präsident Mugabe 38 Prozent. „Sollten sich diese Meldungen bestätigen, wären endlich die Tage des Despoten Robert Mugabe gezählt", zitiert die dpa Vaatz.
Weltweit forderten Staaten wie Deutschland, die USA und Großbritannien sowie die EU-Kommission derweil eine zügige und transparente Auszählung. Die Verzögerung sei nicht nachvollziehbar und werfe Fragen auf, hieß es aus dem Berliner Außenministerium. Der Vizevorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments, Michael Gahler, forderte nach Angaben der dpa die internationale Gemeinschaft auf, den Wahlsieg von Tsvangirai und seiner MDC umgehend anzuerkennen.
In Harare blieb es gestern weitgehend ruhig, nachdem Mugabe am Vorabend die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt haben soll. Viele Menschen seien laut Nachrichtenagentur AP aber der Arbeit ferngeblieben, um auf die Verkündung der Wahlergebnisse zu warten.