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Vom 15.09.2008

Vielfalt zwingt zur Auswahl

Informationsflut und ständige IT-Neuerung hängen „Verschlafene“ ab

Die Medienwelt steht global und in Afrika in ständiger Umwälzung. Medienschaffende müssen durch gezielte Maßnahmen darauf eingehen, sonst werden sie abgehängt. „Du kannst es Dir nicht leisten, zu dösen oder ein digitaler Muffel zu sein (Don´t be digitally dozy!)“, warnte Medienprofessor Guy Berger vergangene Woche sein afrikanisches Publikum in Grahamstown.

© Eberhard Hofmann
Der Direktor der panafrikanischen Medienkonferenz Highway Africa, Chris Mbwato (l.), und der Medienprofessor der Rhodes-Universität von Grahamstown, Guy Berger (r.), nehmen Fragen im Abschlussplenum entgegen.
Windhoek/Grahamstown – Die 12. und größte panafrikanische Medienkonferenz, Highway Africa 2008, ist in Südafrika gerade zu Ende gegangen. Die über 700 Teilnehmer aus 45 Ländern des Kontinents hatten die Gelegenheit, sich über neuste Trends, Herausforderungen und Veränderungen der Medienszene zu informieren, um dadurch arbeitstechnische, methodische und strukturelle Entwicklungen vorwegzunehmen, die durch die Anwendung neuster und ständig schnellerer Kommunikationstechnik über kurz oder lang auch auf dem afrikanischen Kontinent zu erwarten sind. Die Fachtagung stand unter dem Hauptthema „Citizen Journalism, Journalism for Citizens“.

Der südafrikanische Vizeminister für Kommunikation, Roy Padayachie, den Prof. Berger zur Begrüßung des panafrikanischen Publikums eingeladen hatte, sagte es noch deutlicher: „Afrika hat zuvor den Anschluss an die Transport-Moderne verpasst und seine Infrastruktur vernachlässigt. Jetzt droht uns die Gefahr, dass wir den digitalen Fortschritt auch noch verschlafen. Können wir es uns leisten, die digital-elektronischen Chancen zu ignorieren?“ Auf die eigene Frage folgte sein nachdrückliches „Nein!“.

© Eberhard Hofmann
Sponsoren der Medienkonferenz dokumentieren ihre Präsenz.
Padayachie sieht in den Medien Afrikas die „Speerspitze“, dem Kontinent zur digitalen Neuerung zu verhelfen. Er nannte dann strukturelle Planziele wie das neue erweiterte optische Unterseekabel von Europa bis ans Kap der Guten Hoffnung und von dort weiter um den Kontinent herum nach Ostafrika, dessen gewaltig erweiterte Kapazität zur völligen Umwälzung vom „analogen“ zum „digitalen“ Daten- und Kommunikationssystem führen soll. Die totale Umstellung sei mit dem Internationalen Fernmeldeverband (International Telecommunication Union, ITU) bis zum Jahr 2015 vereinbart. Die Kabelverbindung Europas mit Afrika sei schon über hundert Jahre alt, aber der Zugriff konzentriere sich hauptsächlich im südlichen Afrika, derweil die meisten anderen Länder wie vor einem Jahrhundert immer noch im „Dunklen“ lägen. Die südafrikanische Regierung werde laut Padayachie künftig die individuelle Benutzung elektronischer Vernetzung und Teilnahme am Mobilfunk (Mobiltelefone) als Indikatoren bei der Bewertung des Lebensstandards einbeziehen. Jovial Rantao, Vorsitzender des südafrikanischen Redakteursforums, bemerkte zum Überangebot elektronischer und medientechnischer Möglichkeiten: „Die große Auswahl hat uns verwöhnt. Alle Gadgets nutzen aber nichts, wenn wir keinen guten Journalismus üben. Dazu müssen wir einen guten Ethos befolgen.“

Die Ausbreitung und die Verästelung der interaktiven Nachrichtenvermittlung über das Internet mit ständig erweiterter elektronischer Kapazität und neuen Verbindungsgeräten hätten in den USA jetzt zum Sterben vieler Provinzzeitungen geführt, berichteten zwei amerikanische Akademiker: Dan Gillmor aus Arizona und Adam Clayton Powell III aus Süd-Kalifornien. Sie sagen voraus, dass in diesem Jahr 4500 Journalisten den herkömmlichen Beruf verlassen oder „umsatteln“, weil die kleineren Zeitungen durch das breite elektronische Medienangebot Leser verlieren und die Anzeigenkunden aussteigen würden. Durch Diversifizierung und Einstieg ins Internet schafften es einige Medien jedoch zurück in die Rentabilität. Den sprunghaften Anstieg der elektronischen Daten- und Kommunikationskapazität drückte Clayton Powell in einem Vergleich aus: „Die (archaische) Höhlenmalerei war das erste Beispiel des ,Citizen Journalism´. Das neuste Mobiltelefon in deiner Hand verfügt heute über mehr Kraft als die Computer, die die Mondexpedition (1969) gesteuert haben.“
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