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Vom  9.05.2008

Vertreibungswelle überrollt Simbabwe

Gewerkschaft: 40000 Farmarbeiter geflohen – Journalisten festgenommen – Politik stagniert

Windhoek/Harare – Die Vertreibungen und Gewalttaten nach den Wahlen in Simbabwe haben offenbar ein viel größeres Ausmaß als bislang angenommen. Nach Angaben einer simbabwischen Farmarbeitergewerkschaft seien im Zuge staatlicher Gewalt 40000 Arbeiter und ihre Familien vertrieben worden. „Sie wurden zumeist von Milizionären angegriffen, die Armeeuniformen trugen“, erklärte die Gewerkschaftsgeneralsekretärin Gertrude Hambira gestern vor der Presse in Johannesburg. „Man warf ihnen vor, für die Opposition gestimmt zu haben. Jetzt kampieren sie am Straßenrand oder haben Unterschlupf auf anderen Farmen gefunden.“ Die Armee distanzierte sich von möglichen Verstrickungen der staatlichen Sicherheitskräfte in Übergriffe auf mutmaßliche Oppositionsanhänger.

Derweil erklärte die MDC, die Zahl der Toten bei den Gewaltausbrüchen sei mittlerweile auf 30 gestiegen. „Wir flehen die internationale Gemeinschaft auf Knien an, uns dabei zu helfen, dieses Gemetzel zu beenden“, sagte MDC-Sprecher Nelson Chamisa. Die Polizei zweifelt die Statistik der MDC jedoch als übertrieben an.

Die Staatsgewalt bekommen derzeit auch Journalisten zu spüren: Gestern wurde der Chefredakteur der unabhängigen Sonntagszeitung Standard wegen Präsidentenbeleidigung festgenommen, am Tag zuvor hatte es einen prominenten Anwalt getroffen. Seit Montag sitzt ein simbabwischer Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters ohne formelle Anklage im Gefängnis.

Politisch stagniert das Land derweil: Auch gestern gab es weder eine Aussage zum Termin der Stichwahl um das Präsidentenamt noch eine Andeutung der MDC, ob sich Morgan Tsvangirai dem Urnengang gegen Robert Mugabe stellen wird.

Das chinesische Waffenschiff An Yue Jiang, das am Sonntag den Hafen von Luanda gen Heimat verlassen hatte, ohne die Ladung von 77 Tonnen Kriegsgut für Mugabe gelöscht zu haben, wird dieser Tage die namibische Küste passieren. Nach Berechnungen des internationalen Verbands der Transportarbeiter (ITF) sei das Schiff am Mittwochmorgen vor Ponta Da Marca in Angola gewesen und fahre nun mit rund zehn Knoten südwärts. Bei gleich bleibenden Bedingungen werde das Schiff, dem die afrikanischen Staaten untersagt hatten, seine Fracht zu entladen, am Montag Kapstadt erreichen oder passieren. Laut ITF sei der nächste Anlaufhafen des Schiffes nicht bekannt.
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