Tsvangirai gesprächsbereit – Flucht in Botschaft - Staatsterror bleibt
Windhoek/Harare – Nach seiner Boykott-Ankündigung für die am Freitag angesetzte Stichwahl um das Präsidentenamt hat Simbabwes Oppositionsführer Morgan Tsvangirai in der niederländischen Botschaft in Harare Zuflucht gesucht. Das niederländische Außenministerium bestätigte, dass Tsvangirai bereits die Nacht zu Montag in der Landesvertretung verbracht, aber nicht offiziell um Asyl gebeten habe. Außenminister Maxime Verhagen habe dem MDC-Chef angeboten, länger zu bleiben, wenn er Schutz suche.
Tsvangirai signalisierte gestern Bereitschaft zu Verhandlungen mit Mugabes ZANU (PF) über eine Lösung der Krise – allerdings nur zu seinen Bedingungen: Ein sofortiger Gewaltstopp und zusätzliche Vermittler neben dem von der SADC berufenen südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki. Tsvangirai appellierte zudem an die SADC, Mugabe entweder zum Rücktritt oder zum Aufschub der Stichwahl zu bewegen. In Luanda trafen sich gestern die SADC-Außenminister, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Eine Stellungnahme lag bis Redaktionsschluss nicht vor.
Derweil kündigte die ZANU (PF) an, trotz des Ausstiegs Tsvangirais an der Stichwahl festhalten zu wollen. Für eine Absage sei es ohnehin zu spät. Auch der Staatsterror ging gestern mit unverminderter Härte weiter: Die Polizei stürmte nach Angaben der MDC deren Hauptquartier in Harare und nahm 60 Menschen, darunter Frauen und Kinder, in Gewahrsam, die dort Zuflucht gesucht hatten. Die Polizei erklärte hingegen, 39 Personen seien aus gesundheitlichen Gründen weggebracht worden.
Derweil hat die namibische Oppositionspartei RDP scharfe Kritik am Schweigen der Regierung zur Lage in Simbabwe geäußert. In einer Stellungnahme heißt es: „Dank der Unterstützung für das Mugabe-Regime ist Namibia in der SADC heute fast komplett isoliert. Es ist höchste Zeit, dass sich das Land von Mugabes Gräueltaten distanziert.“