Simbabwe: 60 Familien verjagt - Noch immer kein Wahlergebnis – Opposition kritisiert Afrika
Windhoek/Harare – Die Welle der Gewalt gegen weiße Farmer in Simbabwe hat sich gestern fortgesetzt. Nach Angaben des kommerziellen Farmerverbandes CFU seien 60 Farmer und ihren Familien von ihren Anwesen vertrieben worden. Außerdem sei erstmals auch ein schwarzer Farmer von den von Präsident Robert Mugabe gesteuerten Schlägertrupps verjagt worden, die Häuser seiner Arbeiter seien niedergebrannt worden. Die Angreifer hätten ihm vorgeworfen, die Opposition gewählt zu haben. CFU-Präsident Trevor Gifford befürchtet für die kommenden Tage noch Schlimmeres: „Bis zum Wochenende werden wohl Hunderte Farmen besetzt sein." Simbabwes Noch-Informationsminister Sikhanyiso Ndlovu bestritt hingegen, dass es gewalttätige Übergriffe gegeben habe: „Das sind fabrizierte Lügen.“ Vertreter eines Veteranenverbandes verwehrten sich nach dpa-Angaben gegen die Anschuldigungen, die Farmbesetzer kämen aus ihren Reihen. Es handele sich vielmehr um Gauner und Ganoven, so ein Sprecher.
Derweil zerschlugen sich auch gestern, zehn Tage nach dem Urnengang, die Hoffnungen auf eine umgehende Bekanntgabe des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl, bei der die oppositionelle MDC nach eigenen Auszählungen ihren Spitzenkandidaten Morgan Tsvangirai mit 50,3 Prozent und damit einer Mehrheit, die eine Stichwahl überflüssig machen würde, vorne sieht. Zwar entschied das Obergericht gestern Morgen in Harare, dass der Antrag der Opposition auf sofortige Bekanntgabe der Resultate Dringlichkeit habe, auch begann die Anhörung, die allerdings heute fortgesetzt werden muss, bevor das Gericht eine Entscheidung fällen kann.
Die MDC kritisierte derweil die Nachbarstaaten Simbabwes für ihre „ohrenbetäubende Stille“ nach den Wahlen. MDC-Generalsekretär Tendai Biti erklärte, das Schweigen „der Brüder und Schwestern ist symptomatisch für die Unfähigkeit des Kontinents, auf Krisen zu reagieren.“ Als Beispiel nannte er den Völkermord in Ruanda aus dem Jahr 1994. „Afrika hat unzureichend darauf reagiert, eine Million Menschen ist gestorben. Ich sage: Wartet nicht, bis Leichen auf Harares Straßen liegen. Interveniert jetzt“, zitiert AFP Bitis Appell an SADC und Afrikanische Union.
In Namibia meldete sich gestern die CoD zu Wort. In einer schriftlichen Erklärung die bekräftigt die Oppositionspartei ihre Solidarität mit dem Volk von Simbabwe und fordert – ebenso wie vorher schon westliche Staaten, die Vereinten Nationen und die EU - die umgehende Bekanntgabe der Wahlergebnissees und ein Ende des „russischen Roulettes“.