MDC führt im Rennen um Parlament deutlich und kürt Tsvangirai zum Wahlsieger
In Simbabwe hat die bislang regierende ZANU (PF) von Präsident Robert Mugabe ihre Mehrheit im Parlament verloren. Derweil erklärte sich die oppositionelle MDC zum Wahlsieger und Spitzenkandidat Morgan Tsvangirai zum neuen Präsidenten.
Windhoek/Harare – Nach tagelangem Kopf-an-Kopf-Rennen konnte sich die MDC gestern absetzen und kam nach Angaben der staatlichen Wahlkommission bis Redaktionsschluss auf 105 der 210 Sitze im Parlament. Sieben dieser Sitze errang laut dpa die MDC-Splitterfraktion von Arthur Mutambara. Auf Mugabes ZANU (PF) entfielen demnach bis zum Abend 94 Sitze, zudem behielt der frühere Informationsminister und Mugabe-Propagandist Jonathan Moyo als heute unabhängiger Kandidat seinen Platz im Abgeordnetenhaus. Selbst wenn die ZANU (PF) die restlichen Sitze für sich gewinnen würde, hätte sie die nötige Mehrheit verfehlt. Sieben Minister des bisherigen Mugabe-Kabinetts haben nach Angaben der Wahlkommission ihre Sitze eingebüßt.
Schon Stunden zuvor hatte sich die MDC zum Wahlsieger ernannt. Generalsekretär Tendai Biti erklärte auf einer Pressekonferenz basierend auf eigenen Zählungen, Tsvangirai habe bei den Präsidentschaftswahlen 50,3 Prozent der Stimmen bekommen, auf Mugabe seien 43,8 Prozent entfallen. „Ganz einfach gesagt: Er hat diese Wahl gewonnen. Morgan Richard Tsvangirai ist der nächste Präsident Simbabwes, und das ohne eine Stichwahl.“ Auch gestern wurden allerdings keine offiziellen Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen vorgelegt.
Schon am Morgen hatte allerdings die staatlich kontrollierte Tageszeitung „The Herald“ eine Stichwahl zwischen Mugabe, der sich seit dem Wahl-Samstag nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt hatte, und Tsvangirai als wahrscheinlich bezeichnet, da keiner der beiden Kandidaten die erforderlichen 50 Prozent plus eine Stimme erhalten habe. Eine mögliche Stichwahl müsste binnen 21 Tagen nach dem ersten Urnengang durchgeführt werden.
Aus diplomatischen Kreisen verlautete derweil nach Angaben von AFP, es würden bereits Gespräche mit Mugabe geführt, um zu klären, wie er sich „mit Würde“ aus dem Amt zurückziehen könne. Unter anderem sei er von Südafrikas Präsidenten Thabo Mbeki und dessen tansanischem Amtskollegen Jakaya Kikwete kontaktiert worden.
Unterdessen wurden gestern nach Angaben von AP vor allem in Harare und Bulawayo die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, paramilitärische Polizeieinheiten hätten beispielsweise Fahrzeuge kontrolliert, auch seien Bars früher geschlossen und der Alkoholverkauf eingeschränkt worden.
Die Regierung in Simbabwes Nachbarland Sambia hatte am Vormittag ihre Grenztruppen in Alarmbereitschaft versetzt, bestätigte Außenminister George Mpombo in Lusaka. Es handele sich um eine Präventivmaßnahme für den Fall eines Gewaltausbruchs mit anschließendem Flüchtlingsstrom aus Simbabwe.