Simbabwe: Kaum Beteiligung am Generalstreik – ANC ändert Kurs: „Schreckliche Situation“
Windhoek/Harare – In Simbabwe ist der Aufruf der oppositionellen MDC zum Generalstreik gestern zumeist ungehört geblieben. Nur vereinzelt ließen Menschen die Arbeit ruhen – wohl aus Angst vor der deutlich verstärkten Präsenz der Polizei oder Schlägertrupps von Präsident Robert Mugabe sowie aus Besorgnis um die Sicherung des täglichen Einkommens. Vereinzelt äußerten Geschäftsleute, ein möglicher Streik hätte zuvor besser mit dem Gewerkschaftsdachverband ZCTU koordiniert werden müssen. Die MDC hatte am Montag zur unbefristeten Arbeitsniederlegung aufgerufen, nachdem das Obergericht in Harare einen Eilantrag der Partei auf sofortige Bekanntgabe des Ergebnisses der Wahlen vom 29. März abgeschmettert hatte.
Die MDC befürchtet derweil eine Eskalation der Gewalt: „Simbabwe befindet sich de facto unter Kriegsrecht", sagte Generalsekretär Tendai Biti im Rundfunk. Das Mugabe-Regime sei gewalttätig, 200 MDC-Anhänger lägen nach brutalen Übergriffen von Getreuen der regierenden ZANU (PF) bereits im Krankenhaus. „Es steht der Verlust von Leben zu befürchten". Offenbar ist genau dies gestern bereits geschehen: Im Nordosten des Landes soll nach Angaben des dortigen MDC-Verbandes ein Parteimitglied zu Tode geprügelt worden sein. Die Polizei bestätigte den Vorfall bislang nicht. Der kommerzielle Farmerverband CFU erklärte laut dpa, mittlerweile seien rund 120 weiße Farmer von ihrem Grund und Boden vertrieben worden.
Unterdessen bekamen die Simbabwer unerwartete Rückendeckung aus Südafrika. Der regierende (ANC) rückte von der Position des Präsidenten Thabo Mbeki ab, der bislang jegliche Krise in Simbabwe verneint und auf kritische Worte verzichtet hatte. Ein hochrangiger Arbeitskreis der Partei betonte in einer Stellungnahme, die „schreckliche“ Lage in Simbabwe bringe negative Folgen für die gesamte Region mit sich. Es sei „beispiellos und undemokratisch“, wenn Mugabe eine Stichwahl ansetze, ohne vorher das Wahlergebnis bekannt zu geben. Der ANC werde nun als Partei Kontakt zu ZANU (PF) und MDC aufnehmen, um einen neuen Dialog anzustoßen.