Simbabwische Opposition erhebt schwere Vorwürfe: Präsidentschaftskandidat sollte gezielt eliminiert werden
Windhoek/Harare – In Simbabwe hat es offenbar ein Komplott zur Ermordung von Oppositionsführer Morgan Tsvangirai gegeben. Diesen schweren Vorwurf erhob gestern im Nairobi der Generalsekretär der oppositionellen MDC, Tendai Biti: „Wir wissen, dass es 18 Scharfschützen gibt und der Militär-Geheimdienst für diese Aktion zuständig ist.“ Auch rund 40 weitere oppositionelle stünden auf einer Abschussliste. Trotzdem werde Tsvangirai, der seit den Wahlen vom 29. März außerhalb des Landes weilt, „schon bald“ zurückkehren. Eigentlich hätte er bereits am Samstag aus Europa in Simbabwe eintreffen sollen, um am Sonntag den Wahlkampf für die auf den 27. Juni datierte Stichwahl zwischen ihm und Amtsinhaber Robert Mugabe um das Präsidentenamt zu eröffnen. Nachdem die MDC das angebliche Komplott aufgedeckt hatte, war die Rückkehr verschoben worden. Trotzdem hatten sich am Sonntag rund 10000 Anhänger in der Oppositionshochburg Bulawayo versammelt und Mugabe dessen politische „Beerdigung“ angekündigt. Gute Nachrichten für das Anti-Mugabe-Lager gab es auch gestern: Zwei prominente Gewerkschaftsführer wurden gegen Kaution aus der Haft entlassen, wo sie wegen Mugabe-kritischer Äußerungen seit vergangener Woche einsaßen.
Die Regierung widersprach der MDC hinsichtlich der Attentatspläne auf Tsvangirai. „Wir wissen von keiner solchen Verschwörung, aber wir sind sicher, er will nur die internationalen Medien locken“, so Vize-Informationsminister Bright Matonga.
Derweil wird die Kritik an der Abwesenheit Tsvangirais lauter. Beobachter erklärten, er verliere an Glaubwürdigkeit und schüre Zweifel an seinen Staatsführungs-Qualitäten. „Es scheint, als habe er Angst vor Mugabe, das wiederum hätte negative Auswirkungen auf sein Ansehen als Führer“, resümierte der Politikwissenschaftler John Makumbe von der Universität Simbabwes. Der renommierte Journalist Bill Saidi meinte, die Flucht Tsvangirais ins selbst auferlegte Exil erwecke den Eindruck, als sei der Oppositionsführer mehr um seine eigene als um die Sicherheit seiner Anhänger besorgt, die den Übergriffen des Mugabe-Lagers ausgesetzt seien. Auch Mugabes Ex-Informationsminister Jonathan Moyo, mittlerweile unabhängiger Abgeordneter, sieht Tsvangirais Ruf in Gefahr. „Es geht nicht um Sieg oder Niederlage bei der Stichwahl, sondern um seine Glaubwürdigkeit als nationaler Anführer, der Seite an Seite mit seinen Leuten steht. Er sollte sich nicht mehr wie ein Oppositionsführer benehmen, sondern wie der Chef der zukünftigen Regierung“, so Moyo.
Tsvangirai hatte schon früher gelegentlich durch Abwesenheit geglänzt und dadurch Zweifel an seiner Regierungsfähigkeit genährt: So blieb er 2006 mehreren Anti-Regierungs-Protesten der Gewerkschaften fern, bei der zahlreiche Demonstranten zusammengeschlagen worden waren.