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Vom  1.04.2008

Kopf-an-Kopf-Rennen schürt Konfrontation und Spekulationen

In Simbabwe scheint es zwei Tage nach der Präsidenten- und Parlamentswahl zu der befürchteten Konfrontation zwischen dem Regime von Staatschef Robert Mugabe und der oppositionellen „Bewegung für einen Demokratischen Wandel" (MDC) zu kommen.

© epa
Offenbar sehr beschäftigt werden in diesem Wahlbüro in Harare Stimmen ausgezählt. Die Bekanntgabe der Ergebnisse geht dennoch nur schleppend voran.
Nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse liegen beide Parteien bei den Parlamentswahlen Kopf an Kopf. Allerdings mehren sich die Manipulationsvorwürfe der Opposition. Kritisiert wird vor allem die späte und nun auch noch extrem langsame Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Dadurch werde dem Regime in Harare ausreichend Zeit gegeben, das Wahlergebnis im eigenen Sinne zu türken, sagte MDC-Generalsekretär Tendai Biti. Auch internationale Wahlbeobachter zeigten sich über die langsame Bekanntgabe des Wahlergebnisses besorgt, zumal in früheren Wahlen bereits in den ersten Stunden nach Schließung der Wahllokale zumindest Teilergebnisse veröffentlicht worden waren. Bei dem gegenwärtigen Tempo könnte die Bekanntgabe der Ergebnisse mehrere Tage dauern.

Die von Mugabe handverlesene Wahlkommission verteidigte sich für die Verzögerungen mit der Begründung, dass zum ersten Mal Präsidentschafts-, Parlaments-, und Kommunalwahlen gleichzeitig stattfinden würden. Deshalb müsse das Ergebnis besonders sorgfältig geprüft werden. Zudem hatte es gestern den Anschein, dass die Kommission durch das von ihr eingeschlagene Schneckentempo die Emotionen aus der mit so großer Spannung erwarteten Ergebnisbekanntgabe nehmen möchte.

Teilergebnisse kaum aussagekräftig
 
Beobachter sind gemeinhin der Ansicht, dass die ersten Teilergebnisse wenig aussagekräftig sind. Dies liegt daran, dass sie ganz überwiegend aus städtischen Gebieten kommen, wo die Opposition seit langem ihre Hochburgen hat. Symptomatisch dafür ist auch, dass sich die regierende ZANU(PF) bereits gestern in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt des Landes, offiziell geschlagen gab. Dort hatte die Opposition auch schon bei den letzten Wahlen vor drei Jahren deutlich gesiegt. Nach Aussagen der MDC hat Parteichef Morgan Tsvangirai auch in der Hauptstadt Harare mehr als Zweidrittel aller Stimmen erhalten.

Viel wird nun von den Resultaten in den dichtbesiedelten Gebieten auf dem Lande abhängen. Traditionell haben ihre Bewohner, die rund zwei Drittel der Gesamtbevölkerung stellen, bislang immer Mugabe und seine ZANU(PF) unterstützt. Auch hier zeigten erste inoffizielle Resultate aber eine neue Tendenz. Offenbar konnte die Opposition auch hier zumindest leichte Zugewinne verbuchen.

Tsvangirai und der frühere Finanzminister Simba Makoni, der ebenfalls als Präsidentschaftskandidat antritt, hatten vor den diesjährigen Wahlen nur wenig Zeit, in diesen Gebieten um Stimmen zu werben. Wie man sich die Loyalität der Landbevölkerung sichert, hat Mugabe demonstriert: Erst kurz vor der Wahl hatte er abermals versucht, die Gunst der auf dem Lande ansässigen Häuptlinge durch Wahlgeschenke wie Traktoren, Maismehl oder Saatgut zu erkaufen.

Obwohl die Opposition fest überzeugt ist, die Wahl klar gewonnen zu haben, rechnete man in diplomatischen Kreisen in Harare gestern damit, dass sich die offiziellen Ergebnisse nach Einbeziehung der ländlichen Wahlkreise stark von den bislang in Umlauf befindlichen Resultaten unterscheiden könnten. Dies liege zum einen an der größeren Unterstützung für Mugabe in diesen Regionen, zum anderen aber auch an der dort viel einfacher möglichen Wahlmanipulation.

Erst am Wochenende waren in einem Wahlbezirk nördlich von Harare auf einer Wahlliste mehrere Tausend fiktive Wähler entdeckt worden. Die Opposition hatte Mugabe im Vorfeld der Wahlen immer wieder beschuldigt, den Urnengang durch den Einsatz Zehntausender so genannter „Geisterwähler" zu manipulieren Nach den schweren Mauscheleien im Verlauf der letzten Wahlen rechnet kaum jemand in Simbabwe ernsthaft damit, dass diese den Volkswillen unverfälscht widerspiegeln.

Mugabe hat seinerseits alles getan, um dem Verdacht des Wahlbetrugs Vorschub zu leisten. So ließ sein Regime nur Wahlbeobachter aus Simbabwe freundlich gesonnenen Staaten zu und verweigerte die Akkreditierung fast aller unabhängigen Beobachter, darunter auch fast der gesamten westlichen Presse.
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