Die heutige Titelseite

 

Newsletter


Regen in Namibia

 

Vom 23.06.2009

Kleine Trompete, Riesenlärm – die Vuvuzela als neue Wunderwaffe

Das ist sie also, die neue Wunderwaffe der Südafrikaner. Etwas unbeholfen wirkt es dennoch, wie Danie Coetzee in seine Vuvuzela bläst – jene Plastiktrompete, die wegen ihrer enormen Lautstärke beim Confederations-Cup in Südafrika bereits für einigen Wirbel gesorgt hat.

Man muss es dem burischen Rinderfarmer nachsehen: Schließlich hat der selbst erklärte Rugbyfan nie zuvor eine solche Tröte in den Händen gehalten.

Coetzee und seine Familie gehörten am Samstag zu der unerwartet großen Gruppe weißer Fans, die dem Aufruf des südafrikanischen Mannschaftskapitäns Aaron Mokoena gefolgt waren, das „Bafana Bafana“-Team im Hexenkessel von Bloemfontein mit ihren Vuvuzelas ins Semifinale des Confed-Cups zu blasen. Dass ausgerechnet die Spanier sich zuvor über den ohrenbetäubenden Lärm der Tröten beklagt hatten, stachelte die Gastgeber zusätzlich an, zumal die Iberer damit eine mögliche Schwachstelle offenbarten. „Es wäre gut, die Dinger einfach zu verbieten. Denn sie machen es uns Spielern fast unmöglich, sich auf dem Platz zu verständigen und rauben die Konzentration“, hatte etwa Xabi Alonso kritisiert, der als Profi beim FC Liverpool eigentlich einigen Krach gewohnt sein sollte.

Am Ende konnten aber selbst die mit viel Hingabe geblasenen Vuvuzelas den Sieg der Spanier gegen das südafrikanische Team am Samstag nicht verhindern. Um ein Haar hätte der in fast allen Belangen überlegene Europameister den Südafrikanern dabei mehr als nur den Abend in Bloemfontein verdorben: Dass die Bafanas am Ende trotz einer 0:2-Niederlage als Gruppen-Zweiter hinter Spanien ins Halbfinale des Confed-Cups einzogen, lag am Ende allein daran, dass der Irak zeitgleich nicht über ein 0:0 gegen Neuseeland hinauskam.

Die Bafanas hatten vor dem Spiel versprochen, sich ein Beispiel an Afrika-Meister Ägypten nehmen zu wollen: „Wir haben alle ihren famosen Sieg gegen Italien gesehen. Das hat unsere Moral noch mehr gestärkt. Denn es hat gezeigt, dass im Fußball wirklich alles möglich ist“, hatte etwa Matthew Booth, der kahlköpfige Abwehrhüne des Teams, unmittelbar vor dem Schicksalsspiel erklärt.

Eine zentnerschwere Last dürfte nach dem Spiel vor allem Südafrikas umstrittenem Nationalcoach Joel Santana vom Herzen gefallen sein. „Jetzt ist alles okay für uns. Bafana Bafana steht im Halbfinale. Ich bin sehr happy“, erklärte der Brasilianer in seinem wie üblich sehr einfachen Englisch gegenüber jedem, der ihm ein Mikrofon entgegenhielt. Eine genauere Analyse und vor allem Aufschluß darüber, weshalb er wieder einmal erst sehr spät neue Spieler eingetauscht hatte, blieb Santana auch diesmal schuldig. Dem Brasilianer hätte das vorzeitige Ausscheiden seines Teams vermutlich den Job gekostet, auch wenn die Bafanas bereits lange vor seiner Amtsübernahme bestenfalls zweitklassig waren.

Dass die Blamage eines frühen Ausscheidens am Ende vermieden wurde, haben die Südafrikaner ohnehin wohl weniger ihren plötzlich wiedergefundenen Ballkünsten als den Diensten des neuen Mannschaftspsychologen Henning Gericke zu verdanken, den die Fußballer von der erfolgreichen südafrikanischen Rugby-Nationalmannschaft ausgeliehen haben. Nachdem Gericke die Spieler vor vier Wochen erstmals ins Gebet genommen hatte, sei das Team wie ausgewechselt gewesen, erzählte Südafrikas Manager Sipho Nkumane.

Den Fans selbst waren die genauen Gründe für die verbesserte Leistung ihres Teams angesichts des Weiterkommens ohnehin egal. Sie tanzten noch lange auf den Straßen von Bloemfontein und zeigten dabei stolz ihre bemalten Gesichter und Kostüme – ohne einen Funken von Aggression. Bis zum frühen Sonntagmorgen hallte der Klang der Vuvuzela durch die kleine Provinzstadt im Herzen von Südafrika.

Schon wegen ihrer tiefen kulturellen Wurzeln dürfte die Kritik an der Tröte bei der FIFA am Ende wohl auf taube Ohren stoßen. Eher pflichtschuldig erklärte Joseph Blatter auch am Wochenende noch einmal, der schwarze Kontinent sei laut, voll Energie, Rhythmus, Tanz und Trommeln. „Das ist Afrika und das müssen wir auch so annehmen“, sagte der FIFA-Präsident auf Fragen nach einem möglichen Verbot der Plastiktrompete. Neben ihrem akustischen Anschlag wollen die Fans vom Kap nun angeblich sogar einen eigenen Tanz kreieren. Er soll wie einst die mexikanische Welle zum Markenzeichen der WM 2010 werden. Noch steckt man allerdings auch dort, genau wie mit dem eigenen Team, in der Experimentierphase.

Archiv


Wetter

Air Berlin

 

EES GANZ PRIVAT