Die heutige Titelseite

 

Newsletter


Regen in Namibia

 

Vom  6.05.2008

Klares Bekenntnis des afrikanischen Kontinents gegen Mugabe fehlt

Auf den ersten Blick mutet es geradezu unglaublich an, dass Simbabwes Diktator Robert Mugabe und seine Zanu-Partei offenbar nicht nur die Parlaments- sondern nun auch die Präsidentschaftswahl vom 29. März verloren haben. Die inzwischen - nach über vier Wochen! – abgeschlossene Überprüfung umstrittener Wahlkreise hat jedenfalls nur das bestätigt, was die Wahlkommission bereits längst verkündet hatte: den Wahlsieg der Opposition. Aber auch die Präsidentschaftswahl hat Oppositionsführer Morgan Tsvangirai sogar offiziell gewonnen - allerdings nur mit 47,9% und somit nicht der für eine Direktwahl notwendigen absoluten Mehrheit. 

Die extrem lange Verzögerung der Bekanntgabe des Wahlergebnisses deutet jedoch darauf hin, dass Tsvangirai bereits im ersten Durchgang mehr als 50% aller Stimmen gewonnen hat wie es die Opposition seit langem geltend macht. Doch für Mugabe bedeutet die nun scheinbar durch Lug und Trug herausgeschlagene Stichwahl allenfalls eine Galgenfrist. Unter halbwegs normalen Umständen kann er eine solche Stichwahl unmöglich gewinnen kann, selbst wenn er dies nun mit allen Mitteln versucht.

Dass es zu dieser Sensation kommen konnte, hat zwei Gründe: Zum einen ließ sich das Regime auf die (von ihm völlig unterschätzte) Konzession ein, die Resultate der Parlamentswahl gleich nach ihrer Auszählung vor allen Wahllokalen auszuhängen. Dort wurden sie von unabhängigen Beobachtern mit Handys fotografiert und an ein unabhängiges Wahlzentrum nach Südafrika geschickt.

Während Mugabe und seine Helfershelfer noch das Ergebnis der Wahl zu fälschen versuchten, schickte die Opposition bereits die nachweisbaren Resultate rund um die Welt. Dass Mugabe seine Niederlage nicht in einen Sieg verkehren konnte, lag aber auch daran, dass dem Diktator diesmal wegen der desolaten Wirtschaftslage einfach die Mittel fehlten, um seine ländliche Klientel bei der Stange zu halten. Selbst in vielen seiner Hochburgen auf dem Lande siegte die Opposition.

Bereits jetzt ist klar, dass der 29. März für die junge Geschichte Simbabwes, ja für ganz Afrika, einen ähnlich tiefen Einschnitt bedeutet wie das Ende der Apartheid im benachbarten Südafrika vor 14 Jahren. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Mugabe jetzt in gewohnter Manier mit brutalem Terror versucht, eine mögliche Stichwahl zu seinen Gunsten zu entscheiden.

Nach 28 Jahren hat der 84-Jährige nun auch offiziell erstmals eine Parlaments- und wohl auch eine Präsidentschaftswahl verloren. Es kann als ausgeschlossen gelten, dass sich die Mehrheit der Wähler in einer Stichwahl ausgerechnet für jenen Mann stimmt, der Simbabwe fast im Alleingang wirtschaftlich ruiniert und rund vier Millionen seiner 13 Millionen Menschen aus dem Land getrieben hat.

Bis jetzt, bis zum allerletzten Moment der Mugabe-Tyrannei, fehlt ein klares Bekenntnis des Kontinents gegen den Amokläufer in seiner Mitte. Bislang haben Afrikas Führer nur eine schnellere Veröffentlichung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahl angemahnt. Kritik an Mugabe und seiner neuen Terrorkampagne gibt es nicht, genausso wenig wie ein Glückwunschschreiben an die Opposiition zu ihrem Sieg. Solange aber Afrikas Führer Despoten wie Mugabe trotz schlimmster Menschenrechtsverstöße schonen, muss sich niemand wundern, dass der schwarze Kontinent stagniert und immer weiter zurückfällt. Simbabwe wird nun zeigen, ob seine mutigen Menschen mit der Abwahl ihrer Unterdrücker wirklich den Grundstein für eine neue, bessere Zukunft gelegt haben.
Archiv


Wetter

Air Berlin

 

EES GANZ PRIVAT