Im Stück „Mugabe-Dämmerung“ ist der letzte Akt angebrochen
In Simbabwe herrscht Diktatorendämmerung. Zum ersten Mal in den fast 30 Jahren seiner immer rücksichtsloseren Herrschaft hat es den Anschein, also ob Robert Mugabe die Macht entgleitet und sich sein eiserner Griff um Simbabwe lockert.
Offenbar ist der Despot, der sich zuvor wie kaum ein anderer an sein Amt geklammert hat, angesichts der Höhe seiner Wahlniederlage und der immer tieferen Risse innerhalb der eigenen Partei nun doch bereit, die Konditionen seines Rückzugs zu verhandeln. Dass es soweit gekommen ist, dass Mugabe seine Zukunft jetzt offenbar hinter verschlossenen Türen aushandeln muss, hat er sich allein selber zuzuschreiben: Jahrelang hat er alle Hoffnung auf politische und wirtschaftliche Reformen immer wieder enttäuscht und die einst blühende Zivilgesellschaft seines Landes systematisch demontiert. Nach den vielen Grausamkeiten gegen die eigene Bevölkerung geht es ihm nun allein noch darum, eine Anklage wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vor dem internationalen Strafgerichtshof zu umgehen.
Dass es soweit kommen konnte, liegt aber auch daran, dass sich der Potentat diesmal schwer verkalkuliert hat: Völlig isoliert von den politischen und wirtschaftlichen Realitäten hätte Mugabe anscheinend nie erwartet, dass sich sein Volk trotz aller Gewaltandrohung so massiv von ihm abwenden und in Scharen zu Morgan Tsvangirai und dessen Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) desertieren würde. Der Kantersieg der Opposition bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen hat es dem Regime diesmal jedenfalls unmöglich gemacht, dass Wahlergebnis wie bei früheren Urnengängen zu manipulieren.
Ob es tatsächlich noch zu einer Stichwahl des Diktators gegen Morgan Tsvangirai kommt, wie sie sich angeblich abzeichnet, weil zumindest offiziell wohl kein Kandidat mehr als 50% aller Stimmen gewonnen hat, darf schon deshalb bezweifelt werden, weil Mugabe in der zweiten Runde eine noch höhere Wahlschlappe und damit eine noch größere Demütigung droht.
Mugabe hat aber auch die zuletzt immer stärkeren Widerstände gegen seine Herrschaft in der eigenen Partei unterschätzt. Dabei hätte bereits die Gegenkandidatur seines einstigen Zöglings und Vertrauten Simba Makoni ein klares Indiz für Mugabe sein müssen, dass ihm die Kontrolle zunehmend entglitt. Die Risse innerhalb des Regimes führten wiederum dazu, dass der staatliche Einschüchterungsapparat, der die Opposition bei früheren Wahlen so effizient geknebelt und Mugabe mit übelsten Tricks den Sieg gesichert hatte, diesmal nicht mehr richtig funktionierte.
Gleichwohl hätte all dies nicht ausgereicht, wenn nicht die von Mugabe ruinierte Wirtschaft in den letzten Wochen endgültig kollabiert wäre. Selbst seine loyalsten Anhänger erkannten am Ende, dass ein weiterer gefälschter Wahlsieg dem Regime keine echte Atempause gewähren würde. Es ist so, als zöge man den Stöpsel aus einer Badewanne: Nachdem das Wasser zunächst langsam abfließt, wird es immer schneller, je näher es an den Ausguss kommt. Simbabwe befindet sich nun quasi im letzten Strudel – und Mugabe wird mit ihm fortgerissen.
Viel wird in den nächsten Tagen vom Verhalten der Armee und Polizei abhängen. Mugabe hat alles versucht, um sich die Loyalität der Offiziersklasse zu erkaufen. Aber auch hier bröckelt die Front. Die unteren Ränge sind ohnehin arm, hungrig und desillusioniert - und sehnen sich wie das Volk insgesamt nach einem völligen Neuanfang.
Mit dem Abgang Mugabes wäre der Weg frei für einen echten Neubeginn. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der Tyrann einen Großteil des Schadens fast im Alleingang verursacht hat. Sein bevorstehender Sturz ist jedenfalls ein tiefer Einschnitt. Es ist das Ende einer ganzen Epoche – für sein Land, aber auch für einen ganzen Kontinent.