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Zerstörung

 

Vom  2.07.2008

Gefoltert für die Überzeugung

Simbabwe: Grausige Details nach Überfall auf Farmer – Erpressung wohl wirkungslos

Nach dem brutalen Überfall eines Schlägertrupps auf den simbabwischen Farmer William Michael Campbell und seine Familie erholen sich die Opfer jetzt langsam von ihren physischen und wohl noch langsamer von ihren psychischen Verletzungen. Derweil wurden gestern Details des bewaffneten Angriffs vom Sonntagnachmittag öffentlich.

© JAG
Angela Campbell (66) im Krankenhaus: „Auf mich wurde uriniert, dann haben sie mir einen brennenden Stock in den Mund gesteckt.“
Windhoek/Harare – Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa war der 75 Jahre alte Campbell im Zuge der Entführung von einem Uniformierten unter Todesdrohung aufgefordert worden, ein Schreiben aufzusetzen, mit dem er dem Rückzug seiner am SADC-Tribunal in Windhoek angestrengten Klage gegen den simbabwischen Staat wegen der Enteignung seiner Farm zustimmt. Weil dem 75-Jährigen die Finger gebrochen worden seien, habe seine Frau Angela (66) nach eigenem Bekunden die Erklärung geschrieben. Zuvor sei sie selber stundenlang misshandelt worden, gab sie im Gespräch mit ihrem Anwalt an. Die Milizen hätten sie nicht nur stundenlang geschlagen, sondern auch auf sie uriniert und ihr einen brennenden Stock in den Mund gesteckt, schreibt dpa.
© JAG
Mike Campbell im Krankenhaus. Die Spuren von Gewalt und Blut sind im Gesicht des 75-Jährigen noch deutlich sichtbar.
Campbells Farm Mount Carmel im Distrikt Chegutu war am Sonntag von ganz offensichtlich der Regierungspartei ZANU (PF) nahe stehenden Schlägertrupps überfallen, das Ehepaar und Schwiegersohn Ben Freeth nach wilden Schießereien zu einer nahe gelegenen Mine verschleppt und furchtbar misshandelt worden. Nach Angaben der Selbsthilfegruppe Justice for Agriculture (JAG) bedienten sich die Angreifer einer in Simbabwe vor allem bei den Mugabe-nahen Gangs „beliebten“ Foltermethode, der Falanga. Dabei wird massiv auf die Fußsohlen der Opfer eingeschlagen. JAG zitiert Studien, die belegen, dass die Falanga oft dazu führt, dass die Opfer nie wieder laufen können. Mike und Angela Campbell und Ben Freeth werden immer noch wegen Gehirnerschütterung, Prellungen und Knochenbrüchen im Krankenhaus behandelt. Erst neun Stunden nach der Entführung und nach Unterzeichnung der Verzichtserklärung hatten die Schläger von ihnen gelassen und ihre verletzten Opfer bei einer alten Frau in einem Nachbarort zurückgelassen.
© JAG
Ben Freeth, Mike Campbells Schwiegersohn und ebenfalls in den Prozess am SADC-Tribunal involviert, im Krankenhaus von Harare mit brutal misshandeltem Gesicht.
Dieses erzwungene Dokument hat jedoch nach Ansicht des Anwalts der Campbells wahrscheinlich keine Auswirkungen für den von Campbell und Freeth am SADC-Tribunal initiierten Prozess, an dem sich mittlerweile 76 weitere Farmer beteiligen und der am 16. Juli beginnen soll. Das Gericht werde die Erklärung wohl nicht akzeptieren. Das Tribunal hatte vor einigen Monaten eine einstweilige Verfügung erlassen, die den betroffenen Farmern zumindest für die Dauer des Prozesses Schutz vor Vertreibungen oder körperlichen Übergriffen zusichert.
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