
Seit fast drei Wochen ist die Fußball-WM 2010 in Südafrika im Gange, hier die Partie Kamerun gegen Niederlande in Kapstadt. Eine deutliche Belebung der dortigen Börse durch das Sportspektakel ist bis jetzt allerdings ausgeblieben.
Selbst der zwischenzeitliche Anstieg des Goldpreises auf das Allzeithoch von 1265 US$ pro Unze vermochte der JSE keine neue Impulse zu geben, zumal die Goldproduzenten wegen der hohen Förderkosten kaum vom hohen Preis des gelben Metalls profitieren. Immerhin fiel die Inflationsrate am Kap im Mai auf 4,6% und damit auf ihren tiefsten Stand in vier Jahren. Dies könnte die Zentralbank dazu veranlassen, den zuletzt im März um 50 Basispunkte gesenkten Leitzins in der zweiten Jahreshälfte vielleicht noch ein weiteres Mal zu reduzieren.
Sorgen bereitet insbesondere die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Nach Fertigstellung fast aller WM-Projekte sind die Beschäftigungszahlen zwischen April und Mai abermals gesunken. Besonders hart betroffen sind die Bauindustrie, der nun die Nachfolgeprojekte fehlen, sowie der Einzelhandel. Vor allem die große Baugruppe Murray & Roberts befindet sich wegen des geschrumpften Auftragsbuches im Abschwung. Letzte Woche warnte der Konzern, dass er für dieses Jahr bis Juni einen Rückgang des Gewinns um etwa 50% im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Murray & Roberts wird Ende August das Jahresergebnis präsentieren.
Solide Ergebnisse erwartet der Petrochemie-Riese Sasol. Zudem gab der größte Industriekonzern und Steuerzahler Südafrikas bekannt, dass sein Geschäftsführer Pat Davies bis zum Jahr 2012 an der Spitze des Unternehmens verbleiben wird, obwohl dieser eigentlich bereits im nächsten Jahr das offizielle Pensionsalter von 60 Jahren erreicht. Davis führt das Unternehmen seit 2005 und sollte im März 2011 in den Ruhestand treten. Sasol hat längst im In- und Ausland mit der Suche nach einem Nachfolger begonnen. In der Vergangenheit hatte der Konzern interne Kandidaten bevorzugt, die bereits mehrere Jahrzehnte für das Unternehmen aktiv waren.
Unter Druck bleibt der südafrikanische Festnetzanbieter Telkom, dessen Einnahmen aus dem Festnetz um fast 10% fielen. Dass die Telkom für das Geschäftsjahr 2009/10 dennoch einen Gewinn von 37,6 Mrd. Rand auswies, lag allein an dem Verkauf seiner 50%-Beteiligung am Mobilfunkanbieter Vodacom. Als besonders schwierig erweist sich eine Beteiligung der Telkom in Nigeria, die dem Unternehmen ursprünglich den Weg in das bevölkerungsreichste Land des Kontinents ebnen sollte. Ein Ausstieg erscheint nach den neuerlichen Verlusten wahrscheinlich. Stattdessen will Telkom nun ausgerechnet im (weitgehend gesättigten) südafrikanischen Mobilfunkmarkt wachsen und plant dafür in den nächsten fünf Jahren rund sechs Milliarden Rand zu investieren.
Eine Markterholung erwartet der weltgrößte Diamantförderer De Beers. Nach Angaben von Jonathan Oppenheimer, Mitglied der Konzernleitung, haben die Verkäufe im ersten halben Jahr kräftig zugelegt. De Beers, das zu 45% dem Minenhaus Anglo American gehört, fördert weltweit rund 40% aller Diamanten. Anfang letzten Jahres hatte De Beers viele seiner Minen geschlossen und die Produktion um 90% vermindert, weil die schwere Rezession in Europa und den USA auf die Preise verarbeiteter Diamanten drückte. Bereits im April hatte das Unternehmen gemeldet, seine Förderung wieder um 30% zu erhöhen.