Der schwarze Kontinent ist stolz auf Präsident Barack Obama
Überschäumende Freude, Stolz und Begeisterung bis hin zur Ungläubigkeit – Afrika feierte den historischen Sieg von Amerikas erstem schwarzen Präsidenten mit einer Ausgelassenheit wie man sie nur von dort kennt. Auch in den morgendlichen Talkshows war der Tenor stets der gleiche: Hoffnung, das jetzt alles irgendwie besser wird - die eigenen Probleme aber auch die der Welt, ganz so als könne Barak Obama Afrikas Elend allein durch Handauflegen heilen.
Alle strahlen sie an diesem Tag, vom Zeitungsverkäufer, der stolz auf die Schlagzeile „Obama wins“ zeigt, bis zu den bettelnden, zerlumpten Straßenkindern. Oder die Menschen im Jomo-Kenyatta-Stadion von Nairobi, die bereits am Mittwoch morgen wie gebannt auf die dort aufgestellte Großleinwand starrten, um nur ja kein Wort „ihres“ neuen Präsidenten zu verpassen. Irgendwie ist in Afrika an diesem Tag jeder ein bisschen Obama. Selbst Afrikas berühmtester Sohn, Südafrikas erster schwarzer Präsident Nelson Mandela, spricht in seinem Glückwunschschreiben von einer Inspiration für alle Menschen auf der Welt. „Ihr Sieg beweist“, schreibt Mandela „dass man nie den Traum aufgeben darf, die Welt zu etwas Besserem zu machen“. Und dann nimmt auch Mandela das Thema auf, das an diesem Tag in Afrika so oft zu hören ist: „Wir vertrauen darauf, dass das oberste Ziel ihrer Präsidentschaft darin besteht, die beiden großen Geißeln der Menschheit zu bekämpfen - Armut und Krankheit“.
Man könnte glauben, den Menschen in Afrika sei ein politischer Messias erschienen. Dabei wurde nicht etwa Obama sondern nur sein Vater in Kenia geboren; er stammt aus dem Dorf Kogelo im Westen von Kenia, wo er in seinen jungen Jahren Ziegen und Rinder hütete. Seine Großeltern, so heißt es, brachten Obama sen. damals in die zehn Kilometer entfernte Schule. Bildung war ihnen wichtig. Später ging Obama sen. dann aufs Internat und erhielt ein Stipendium zum Studium an der Universität von Hawaii, wo er Ann Dunham traf, die weiße Mutter des frisch gekürten Präsidenten.
1961 kam Barack Obama jr. zur Welt, bereits zwei Jahre später ließen sich die Eltern scheiden. Der Vater, ein Ökonom, ging mit der Unabhängigkeit der früheren britischen Kolonie 1963 als Experte zurück nach Kenia. 1982 starb er dort bei einem Autounfall. Wenig später machte sich der Sohn, wie soviele andere Afroamerikaner, auf die Suche nach seinen afrikanischen Wurzeln: Dabei kam er auch nach Kogelo ans Grab des Vaters - und zu seiner Großmutter Sarah. Zur Unterhaltung brauchten die beiden aber einen Übersetzer. Obamas Oma spricht kein Wort Englisch, der neue US-Präsident weder das lokale Luo noch die Regionalsprache Suaheli. Zweimal kam Obama später noch nach Kenia: einmal um seiner Oma seine Braut Michelle vorzustellen; danach 2006 als Staatsgast von Präsident Mwai Kibaki. Er erklärte den 6. November zum kenianischen Feiertag.
Schade deshalb, dass die offizielle Feier in Kogelo am Dienstag buchstäblich ins Wasser fiel: Ein schweres Gewitter hatte die Stromverbindung lahmgelegt und dafür gesorgt, dass eine geplante Bildverbindung der großen Fernsehsender mit dem kleinen Ort nicht zu Stande kam. Selbst CNN tat sich an diesem historischen Abend schwer und schaffte es nicht, eine Leitung in den Westen Kenias zu schalten. Stattdessen erschien sein Korrespondent in Paris auf dem Schirm. Hoffentlich kein Omen für die künftige Form der Partnerschaft zwischen den USA und Afrika.