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Regen in Namibia

 

Vom 26.06.2007

Der Fluch der guten Kakao-Ernte

Gute Kunde für Leckermäuler: Am Kakaomarkt geht es nach einem mehrmonatigen Aufschwung nun steil bergab. Damit fallen auch die Preise für die braune Leckerei.

Seit Jahresbeginn hatte der Preis der aromatischen Bohnen insgesamt 15 Prozent zugelegt, in den letzten fünf Wochen hat er jedoch fast zehn Prozent wieder verloren. Zuletzt wurde eine Tonne Kakaobohnen an der New Yorker Warenbörse Comex für 1820 US-Dollar gehandelt. Noch Mitte Mai lag der Preis bei fast 2000 Dollar.

Der Hauptgrund für den jüngsten Preisrückgang dürfte darin liegen, dass die Kakaoernten der beiden größten Produzenten, die Elfenbeinküste und Ghana, nach den jüngsten Regenfällen nun doch besser als erwartet ausfallen. Die Elfenbeinküste hat ihre Erntevorhersage gerade erst um fast vier Prozent auf 1,4 Mio. Tonnen erhöht. Auch in Ghana scheint der Ertrag fast an die Rekordernte des Vorjahres heranzureichen, als dort 740000 Tonnen eingefahren wurden. Zuvor war der ghanaische Kakaoregulator Cocobod davon ausgegangen, dass die frühere britische Kolonie wegen unregelmäßiger Niederschläge nur rund 550000 Tonnen ernten und damit beträchtlich unter den ursprünglichen Prognosen von 700000 Tonnen bleiben würde.

Ghana und die Elfenbeinküste sind die weltweit mit Abstand größten Kakaoproduzenten. Zusammen liefern sie 60 Prozent des Weltangebots. Neben dem ungenügenden Regen hatte zu Jahresbeginn ein harscher Harmattan, ein Wüstenwind aus der angrenzenden Sahara, der diesjährigen Ernte in beiden Staaten vermeintlich größeren Schaden zugefügt. Der Kakao wird in der Region zwischen Oktober und Mai geerntet, wobei die Produktion für gewöhnlich ab Januar geringer wird. In diesem Jahr scheint jedoch das Gegenteil der Fall gewesen zu sein.

Die verbesserten Ernteprognosen erklären auch, weshalb die Rohstofffonds zuletzt eine Reihe spekulativer Anlagen bei Kakao ausgelöst haben. Zuvor hatten die Hedge- und Indexfonds, die an der Comex inzwischen über ein Drittel aller Kontrakte halten, fast ausnahmslos auf weitere Preissteigerungen bei Kakao gesetzt. Dabei hatten sich die meisten Fonds auf Schätzungen eines Produktionsdefizits von bis zu 250000 Tonnen gestützt. Im Vergleich mit anderen Rohstoffen ist der Kakaomarkt winzig: Sein Gesamtumfang liegt bei nur rund drei Millionen Tonnen im Jahr.

Angesichts der Enge des Kakaomarktes sind kräftige Preisschwankungen nicht ungewöhnlich. Neben dem Wetter wurden sie vor allem durch die lange Zeit bürgerkriegsähnlichen Zustände in der Elfenbeinküste seit 2002 verursacht. Auch dort ist es jedoch in den letzten Wochen zu einer Entspannung der Lage gekommen. Vieles deutet nun darauf hin, dass Rebellen und Regierung in dem seit fünf Jahren faktisch in zwei Teile gespaltenen Land nun eine gemeinsame Armee bilden. Damit käme der Versöhnungsprozess in der früheren französischen Musterkolonie entscheidend voran.

Dennoch dürfte der Markt wegen seiner geringeren Größe und den wenigen Produzenten auch künftig von stärkeren Ausschlägen geprägt sein. Preissteigerungen versprechen sich die Haussiers mittelfristig vor allem von den günstigen Eckdaten am Kakaomarkt. So hat der Schokoladenkonsum mit dem steigenden Wohlstand in vielen Weltregionen deutlich zugenommen, insbesondere in Indien und China. Zudem gibt es in vielen Industrieländern einen Trend zum Verzehr von qualitativ hochwertiger "dunkler" Schokolade. Solche Bitterschokolade hat einen wesentlich höheren Kakaoanteil als die bislang dort dominante Milchschokolade. Darüber hinaus enthält die dunkle Schokolade weit mehr Kakao-Flavonoide. Einige Wissenschaftler schreiben diesen Antioxidantien blutdruck- und cholesterinsenkende Eigenschaften zu.
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