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Regen in Namibia

 

Vom 26.07.2010

Cup der enttäuschten Hoffnung

Die Idee klang verlockend: Wer in diesem Jahr zur Fußball-WM nach Südafrika reisen wollte, sollte den Besuch des sportlichen Megaevents doch bitte auch gleich mit einem Abstecher zu den majestätischen Victoria-Fällen in Simbabwe, einer Wüstensafari in Namibia oder einem Strandurlaub auf der Zuckerrohrinsel Mauritius verbinden.

© Skeleton Coast Safaris
Namibiareisende genießen den Blick von einer Düne im Sossusvlei. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika hat touristisch nicht so positiv auf die Nachbarländer des Gastgebers ausgewirkt wie erhofft. Im Gegenteil: Auch Namibia wurde Mitte dieses Jahres von weniger Gästen bereist als zuvor.
Sepp Blatter, Präsident des Weltfußballverbands FIFA, rührt seit Jahren die Werbetrommel für Afrika. Entsprechend groß war auch seine Hoffnung, dass die erste Fußball-WM auf afrikanischem Boden nicht nur dem Gastgeber am Kap, sondern auch den Nachbarstaaten, ja dem ganzen Kontinent irgendwie zugute kommen werde.

Zumindest wirtschaftlich hat sich das Vorhaben als kapitaler Fehlschlag erwiesen. Gerade einmal 40000 Tickets und somit nur knapp zwei Prozent des Gesamtkontingents von rund drei Millionen Karten wurden am Ende von der FIFA jenseits von Südafrika auf dem schwarzen Kontinent abgesetzt. Zu teuer, zu kompliziert und zu weit, hieß es immer wieder zur Begründung dieses Fiaskos.

Dabei lagen zumindest zwei der WM-Stadien in unmittelbarer Nähe der schönsten Wildparks und Strände der Region: Vom Austragungsort Rustenburg sind es zum Beispiel nur knapp 200 Kilometer zur Grenze von Botswana. Allerdings liegt sein weltberühmtes Okavango-Delta weitere 1000 Kilometer entfernt im Norden des Landes. Im Gegensatz dazu befindet sich das Mbombela-WM-Stadion in Nelspruit nur knapp eine Autostunde von der mosambikanischen Grenze entfernt – und zwei weitere von der Hauptstadt Maputo. Aber selbst diese vergleichsweise geringe Distanz entpuppte sich am Ende als zu weit, weil die Zahl der WM-Besucher unter den Erwartungen blieb und deshalb fast alle von ihnen Unterkunft in Nelspruit und Umgebung fanden.

Doch nicht nur der Tourismus enttäuscht. Längst ist die Hoffnung zerstoben, dass der mit der WM verbundene Imageschub für Südafrika auch auf den Rest des Kontinents ausstrahlen könne. Ein Grund liegt darin, dass es sich bei Südafrika nicht um das eigentliche Afrika handelt. Bereits der im Januar in Angola ausgetragene Africa-Cup hatte überdeutlich gezeigt, wie illusorisch es wäre, eine WM dort oder in Nigeria auszutragen, der nach Südafrika zweitgrößten Volkswirtschaft des Kontinents. Die neuen Stadien in Angola waren fast alle mit heißer Nadel gestrickt – und die Aufenthaltskosten für Besucher astronomisch hoch. Auch ohne den Anschlag auf das togolesische Team lief vieles verkehrt. Für die meisten Beobachter lieferte Angola jedenfalls einen weiteren Nachweis dafür, dass in Schwarzafrika allein Südafrika die Fähigkeit zur Ausrichtung eines internationalen Großereignisses besitzt – und der Rest des Kontinents allenfalls die exotische Kulisse dazu bildet.

Dass Afrika bei der WM 2010 entgegen den Vorstellungen der FIFA kaum in Erscheinung tritt, hat es sich aber zumindest teilweise auch selber zuzuschreiben. Gillian Saunders von der Agentur Grant Thornton glaubt zwar, dass Sepp Blatter und Südafrika als Ausrichter des Fußballfestes mehr für den Kontinent hätten tun können. Anderseits hätte sich Afrika vor allem im Vorfeld der WM auch selber viel besser vermarkten müssen. „Die meisten seiner Länder haben nichts getan, um aus dem Event irgendeinen Nutzen zu ziehen“, sagt auch die Afrikaexpertin Diana Games, die viel auf dem Kontinent unterwegs ist. Abgesehen von den fünf Teams aus dem restlichen Afrika sei die Veranstaltung eindeutig eine südafrikanische.

Selbst die vielen Souvenirhändler aus anderen afrikanischen Ländern hätten sich keine Mühe gegeben, die Eigenheiten ihrer Region zu vermarkten, kritisiert Games. Anders die Europäer, die eigentlich ohnehin jeder kennt: Die haben die große Bühne der Weltmeisterschaft auch außerhalb des Fußballplatzes ausgiebig genutzt. So hat Portugal in den vier WM-Wochen ein großes, öffentlichkeitswirksames Festival in Johannesburg ausgerichtet, um dort für sich zu werben – mitten in Afrika.

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