Frachter mit 77t Kriegsgut liegt vor Durban – ANC ändert Kurs – ZANU: Tsvangirai ist Verräter
Windhoek/Harare/Durban – Eine ominöse Waffenlieferung aus China mit dem Bestimmungsort Simbabwe schürt die Furcht vor einer neuen Gewalteskalation. Wie die dpa unter Berufung auf südafrikanische Medien berichtet, liegt der Frachter „An Yu Yiang“ mit insgesamt 77 Tonnen Waffen und Munition vor Durban verankert. Dabei handelt es sich laut dpa unter anderem um drei Millionen Schuss Munition für Kalaschnikow-Sturmgewehre, 1500 RPG7-Raketen, 2703 Granaten vom Kaliber 60 Millimeter, 521 vom Kaliber 81 Millimeter und 51 Granatwerfer, die am 15. März an Bord des Frachters in China in See gestochen waren. Die südafrikanische Opposition verlangte ein Transitverbot für die Weiterreise nach Simbabwe, die Regierung signalisierte jedoch eine Transportbewilligung. Gleichzeitig wies sie Berichte zurück, wonach eine kleine Gruppe bewaffneter Chinesen in Simbabwe gegen mutmaßliche Oppositionsanhänger vorgegangen seien. Mehrere Zeitungen und Online-Dienste verbreiteten zudem, dass Bewaffnete in Uniformen der chinesischen Bereitschaftspolizei auf Simbabwes Straßen patrouillierten. China gilt als enger Verbündeter des Regimes von Präsident Robert Mugabe und hat schon zuvor neben Transportmitteln auch Waffen geliefert.
Derweil machte der in Südafrika regierende ANC gestern eine Kehrtwende. Das Kabinett nannte die Situation „düster“ und forderte – genau wie die Europäische Union gestern - die umgehende Veröffentlichung der Resultate der Präsidentenwahl vom 29. März. „Wenn Ergebnisse zwei Wochen nachdem Urnengang noch nicht veröffentlicht sind, ist das ganz offensichtlich ein Grund zur Besorgnis“, sagte Regierungssprecher Themba Maseko. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hatte bislang jegliche Krise im Nachbarstaat bislang stets totgeschwiegen, gestand aber nach Abschluss eines Treffens des Weltsicherheitsrates in New York, in Simbabwe seien wohl Dinge falsch gelaufen. Vize-Außenminister Aziz Pahad erklärte, Südafrika werde Beobachter zu der für morgen angesetzten Neuauszählung von 23 Wahlkreisen entsenden. Zudem werde das Vermittlerteam von Präsident Thabo Mbeki nach Simbabwe reisen. Die oppositionelle MDC, die sich als Wahlsieger sieht, lehnt sowohl die Neuauszählung als auch Mbekis Vermittlungen ab. Man wolle hingegen Sambias Präsidenten Levy Mwanawasa als Mittelsmann.
Die regierende ZANU (PF) beschuldigte gestern den MDC-Spitzenkandidaten Morgan Tsvangirai des Verrats. Gemeinsam mit Großbritanniens Premier Gordon Brown, dessen Marionette er sei, plane er den Sturz Mugabes. Verrat habe aber Konsequenzen, drohte Justizminister Patrick Chinamasa. Tsvangirai bezeichnete die Vorwürfe als unverschämt.