An den Märkten geht weiter die Angst vor einem „Double Dip“ um, dem erneuten Abgleiten der Wirtschaft in eine Rezession. Das meinen jedenfalls einige Marktteilnehmer. So zögerlich Aktionäre derzeit auch sein mögen, an Übernahmefantasien mangelt es in diesen Tagen nicht.
Allein in der vergangenen Woche sind drei Schwergewichte der Johannesburger Börse (JSE) als Akteure bei potenziellen Milliardendeals ins Gespräch gekommen. So will Europas größte Bank HSBC auf dem rasant wachsenden afrikanischen Kontinent stärker mitmischen. Dazu plant das britische Institut die Übernahme von bis zu 70 Prozent der südafrikanischen Nedbank und verhandelt derzeit exklusiv mit dem bisherigen Mehrheitseigner Old Mutual, wie beide Seiten am Montag mitteilten. Das Geschäft könnte ein Volumen von bis zu 6,8 Milliarden US-Dollar (fast 50 Milliarden Rand/Namibia-Dollar) haben, steht aber unter dem Vorbehalt der südafrikanischen Kartellbehörde.
Die erste Reaktion von Analysten und Anlegern fiel positiv aus. Von dem Milliardendeal würden Branchenkennern (Reuters) zufolge alle Seiten profitieren: Der Versicherer Old Mutual will sich verschlanken und könnte das Geld aus dem Anteilsverkauf gut für den Schuldenabbau gebrauchen. HSBC wiederum würde durch den Einstieg bei der Nedbank nicht nur die eigene Präsenz in der größten afrikanischen Volkswirtschaft stärken, sondern auch die Tür für weitere Geschäfte auf dem Kontinent öffnen. Besonders die chinesischen HSBC-Kunden haben ein großes Interesse an Rohstoff-Geschäften in Afrika. Nedbank-Chef Mike Brown erhofft sich von den Briten nicht zuletzt Impulse für das eigene Privatkundengeschäft, wie er in einem Interview mit Reuters Insider TV sagte. Diese schwächelnde Sparte ist eine der Baustellen von Südafrikas viertgrößtem Finanzinstitut.
Die südafrikanischen Kartellbehörden erklärten, es sei noch zu früh für eine Beurteilung der Pläne. Analysten fanden dagegen lobende Worte. Der Handel zwischen Afrika und China wachse stetig, und HSBC sei auf dem afrikanischen Kontinent noch nicht so präsent wie etwa Rivale Standard Chartered. In Medienberichten war unlängst auch diesem Institut ein Interesse an der Nedbank nachgesagt worden. Standard Chartered selbst lehnte einen Kommentar dazu ab. Am Markt kamen die Nachrichten gut an: Nedbank-Aktien verteuerten sich am Dienstag in Johannesburg um fast sieben Prozent, während Papiere von Old Mutual in London um vier Prozent stiegen.
Vom Finanz- zum Bergbausektor: Der weltgrößte Düngemittel-Hersteller Potash hat seinen Aktionären empfohlen, das 39 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot des Bergbaugiganten BHP Billiton (die an Marktkapitalisierung gemessen größte Notierung in Johannesburg) abzulehnen. Die Offerte von 130 US-Dollar je Aktie sei nicht angemessen, teilte der kanadische Konzern am Montag mit. Es sei damit zu rechnen, dass höhere Angebote für das Unternehmen unterbreitet würden. Eine Reihe von dritten Parteien sei auf Potash zugekommen. Die Gespräche würden verfolgt. Es seien aber auch andere Alternativen möglich. Der Verwaltungsrat berate derzeit verschiedene Strategien. BHP hat daraufhin sein weiteres Interesse bekräftigt, „allerdings nicht um jeden Preis“.
SABMiller ist eine der größten Erfolge der afrikanischen Wirtschaftsgeschichte. Der inzwischen weltweit präsente Konzern will weiter expandieren und hat nach Medienberichten nun das Biergeschäft des größten australischen Brauers Foster´s im Visier. Über ein formelles Übernahmegebot hätten die beiden Unternehmen jedoch noch nicht entschieden, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters in der vergangenen Woche. Seit Foster´s im Mai angekündigt habe, das Wein- und Biergeschäft aufzuspalten, hätten eine Reihe von möglichen Bietern die Sparte unter die Lupe genommen. Nach Einschätzung von Analysten könnte das Biergeschäft mehr als zehn Milliarden US-Dollar wert sein.