Er ist 93 Jahre alt und seit über zwölf Jahren nicht mehr im Amt. Sein letzter offizieller Auftritt liegt fast zwei Jahre zurück. Und noch viel länger hat er weder Interviews gegeben, noch zu Fragen von nationaler oder internationaler Bedeutung gesprochen.
Dennoch könnte man glauben, Südafrikas Wohl und Wehe hinge noch immer allein an Nelson Mandela - dem Mann, der die Befreiung der Kaprepublik von der Apartheid wie kein anderer symbolisiert.
Wie tief die Menschen daheim und im Ausland Mandela ins Herz geschlossen haben, spiegelt der Medienhype wider, der immer dann aufkommt, wenn Südafrikas großer Freiheitskämpfer wieder einmal seinem hohen Alter Tribut zollt. Etwa am Samstagmorgen, als Mandela wegen eines Magenleidens in ein Militärkrankenhaus bei Pretoria eingeliefert wurde. Offenbar handelte es sich dabei nicht um eine Noteinweisung, sondern einen kleinen, seit längerem geplanten operativen Eingriff, für den Mandela wohl vor vier Wochen aus seinem Heimatdorf Qunu, wo er zuletzt lebte, nach Johannesburg verlegt worden war. Erst die Versicherung der südafrikanischen Regierung, der Patient sei wohlauf und könne das Krankenhaus voraussichtlich schon bald verlassen, beruhigte die Gemüter. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt.
Gerüchte, Mandela sei schwer krank, hat es seit seinem endgültigen Rückzug in den Ruhestand im Jahre 2004 immer wieder gegeben. Wiederholt musste die nach ihm benannte Stiftung in den letzten Jahren Spekulationen über seinen angeblich miserablen Gesundheitszustand dementieren. Der letzte große öffentliche Auftritt Mandelas datiert vom Finalabend der Fußball-Weltmeisterschaft am 11. Juli 2010, als der zu diesem Zeitpunkt 91-Jährige direkt vor dem Anpfiff noch einmal für zwei Minuten in einem kleinen Golfwagen das Johannesburger Stadion von Soccer City umrundete. Zum Spiel selbst blieb er dann nicht mehr. Aus dem letzten Jahr kursieren Bilder, die Mandela mit Michelle Obama, der Frau des US-amerikanischen Präsidenten, zeigen.
Die bis vor etwa drei Jahren robuste Gesundheit des weltweit angesehenen Politikers hat sich in den letzten Jahren in Einklang mit seinem fortgeschrittenen Alter verschlechtert. Bereits vor einem Jahr hatte Südafrika wegen eines ernsten Lungenleidens um Mandela gebangt. Damals musste er mehrere Tage in einer Johannesburger Privatklinik behandelt werden. Die Ärzte zeigten sich später erstaunt darüber, wie schnell sich der über 90-Jährige von der Entzündung der Atemwege erholt hatte. Bereits Ende der 80er Jahre war bei Mandela Tuberkulose diagnostiziert worden. Auch davon hatte er sich genau so erholt wie von dem 1985 diagnostizierten Prostatakrebs.
Mandela war für seine Rolle im Kampf gegen die Rassentrennung fast 27 Jahre lang vom Apartheidregime inhaftiert und im Februar 1990 aus der Haft entlassen worden. Nach einer vierjährigen Verhandlungsphase hatte er seinen Afrikanischen Nationalkongress (ANC), die frühere Widerstandsbewegung, 1994 zu einem Wahlsieg geführt. 1994 wurde Mandela als erster schwarzer Präsident des früheren Rassenstaates vereidigt. Nur fünf Jahre später trat er 1999 zurück - und setzte damit ein Zeichen für Afrika, wo Staatschefs oft im Amt versterben. Vor allem sein unermüdliches Bemühen um die Aussöhnung der Menschen am Kap aber auch in anderen Teilen der Welt gilt heute als Mandelas größtes Verdienst.
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